Nordhessischer Gehörlosenbund feierte in Bad Hersfeld seinen 85. Geburtstag

Eine Heimat für alle Menschen

Bad Hersfeld. Sehr viel Lob für das ehrenamtliche Engagement gab es während der Feierstunde zum 85-jährigen Bestehen des Nordhessischen Gehörlosenbundes am Samstagnachmittag in Bad Hersfeld. Seit 1998 trifft man sich im „Raum der Begegnung“ in der Hermann-Kirchner-Straße 4, nachdem die Zusammenkünfte zuvor in der Kantine des Landratsamtes stattgefunden hatten.

In Bad Hersfeld gibt es eine von acht Gehörlosengemeinden, die zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gehören. Ein besonderes herzliches Willkommen galt daher auch Pfarrer Matthias Heinisch, der „in verständlicher Sprache“ Gottesdienste und Bibelstunden gestalte. Heinisch seinerseits würdigte die über Jahre hinaus gute Zusammenarbeit zwischen dem Nordhessischen Gehörlosenbund und der Gehörlosengemeinde: „Das Erfolgsgeheimnis ist, dass jeder Einzelne seinen Beitrag für diese Gemeinschaft leistet“.

Gottesdienst

Der Feierstunde war ein Gottesdienst vorangegangen, der den Zusammenhalt der Gruppe demonstrierte. Vorsitzender Kurt Dölling erinnerte anschließend daran, dass ein erster Gottesdienst am 26. Juli 1926 gefeiert worden und die Vereinigung vier Mal umbenannt worden sei, bis sie 1978 ihre endgültige Bezeichnung „Nordhessischer Gehörlosenbund e.V.“ erhalten habe. Für ihre 60jährige Mitgliedschaft wurde Margarete Böttner geehrt.

Magistratsmitglied Elke Hohmann überbrachte die Grüße von Bürgermeister Thomas Fehling und würdigte das starke ehrenamtliche Engagement der Mitglieder – beispielsweise auch auf den Feldern „Soziale Arbeit“ und „Ausbildung“.

Von einer „Behinderung besonderer Art“ sprach die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, die darauf verwies, „dass das Gehör nicht ersetzbar, transplantierbar und nicht herstellbar ist“. Zwar gebe es große medizinische Fortschritte, doch stehe der Durchbruch leider noch aus.

Eine Hauptaufgabe sehe sie darin, Menschen mit Behinderung in Gesellschaft und Beruf zu integrieren, „was allerdings Offenheit, Verständnis und Solidarität voraussetzt“. Ihr Fazit zum Jubiläum: „Sie sind eine Familie und als Verband sind Sie stark. Der Nordhessische Gehörlosenbund ist eine Heimat für alle Menschen mit dieser Behinderung“.

Die Anwesenheit von Annika Groh-Gollmer und Manfred Wiedemann als Vertreter des Frühförderzentrums nahm Künholz zum Anlass, darauf hinzuweisen, „dass schon im Kindesalter damit begonnen werden sollte, von Behinderung Betroffene in unsere Mitte zu nehmen“. Wiedemann, gemeinsam mit Groh-Gollmer erneut Organisator des Deutschen Behindertentages, der am 13. August 2011 zum fünften Mal in Bad Hersfeld stattfindet, regte an, dass 2012 vielleicht die Gehörlosen einen thematischen Schwerpunkt bilden könnten. So wie dies in diesem Jahr sehbehinderte und blinde Menschen seien.

Gehörlosengeld einführen

Weitere Grußworte sprachen Tanja Burkart von der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg und Christina Fip vom Integrationsfachdienst Bad Hersfeld. Hans-Joachim Goller vom Gehörlosen-Sportbund appellierte an die verantwortlichen Politiker, dass Hessen endlich das Gehörlosengeld einführen solle und verwies darauf, dass es bei der Deutschen Bahn bald ein spezielles Ticket für Gehörlose geben werde, was allerdings nicht für ICEs gelte.

Von Bertram Lenz

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