Eine große Frage und viele gute Gründe zum Feiern

Kai A. Struthoff

Zugegeben: Als gebürtiger West-Berliner habe ich eine ganz besondere Beziehung zum Mauerfall und zur deutschen Einheit. Meine ganze Jugend war geprägt vom Machtkampf der Weltmächte, dessen Kettenrasseln wir in Berlin besonders deutlich vernahmen. Und die Wende 1989 eröffnete dann auch mir ganz neue Möglichkeiten im Leben, die ich vorher nie geahnt hätte.

Ich finde, wir haben guten Grund, heute 25 Jahre deutsche Einheit zu feiern – gerade auch hier im ehemaligen „Zonenrandgebiet“ (wie das schon klingt). Die blühenden Landschaften, die uns damals versprochen wurden, sind längst da.

Gerade unsere Region profitiert wie kaum eine andere von der zentralen Lage im neuen, vereinten Europa. Gewiss, das ist nicht neu. Aber in Zeiten wie diesen, kann man das gar nicht oft genug wiederholen.

Ein wenig erinnert mich die Situation heute an jene Zeit nach der Wende. Auch damals strömten Menschenmassen über die Grenze und wurden freudig begrüßt. Und leider drehte sich die Stimmung dann auch schnell, als nämlich der Zauber des Anfangs den Mühen der Ebene wich. Wie damals strömen auch jetzt Menschen aus politischen Gründen, auf der Suche nach Freiheit – und vielleicht auch mit dem Wunsch nach einem wirtschaftlich besseren Leben zu uns. Das ist nicht verwerflich, sondern menschlich – egal ob es sich nun um unsere deutschen Brüder und Schwestern von „drüben“ handelt oder um unsere Mitbürger aus dem Globalen Dorf. Ich bin sicher, dass wir auch diese Herausforderung meistern, wenn alle zusammenstehen. Es wird schwer, es wird dauern, aber es geht. Wir haben es schon mal geschafft. Eben das ist ein Grund zum Feiern. Ich hoffe, wir sehen uns nachher beim großen Einheitsfest in der Bad Hersfelder Innenstadt!

Ob auch die Bad Hersfelder Festspiele einen Grund zum Feiern haben, das wissen wir immer noch nicht. Denn die Bilanz der Festspielsaison steht weiterhin aus. Am vergangenen Montag wurde der Magistrat über die Besucherzahlen und die finanzielle Ausbeute der ersten Wedel-Spielzeit informiert. Die Anfrage unserer Zeitung nach den Zahlen indes blieb unbeantwortet. Ob das wohl ein gutes Zeichen ist? Denn mit Erfolgsmitteilungen schmückt sich doch eigentlich jeder gern. Die große Frage ist: Hat sich der Neustart auch unter dem Strich gelohnt? Stehen die Bad Hersfelder Festspiele unter Intendant Dieter Wedel wirtschaftlich besser da als unter seinem Vorgänger Holk Freytag? Am Montag wissen wir mehr, denn dann will Bürgermeister Thomas Fehling endlich die Zahlen nennen.

Egal, wie die Festspiel-Bilanz ausgeht – gefeiert wird trotzdem, denn das Lullusfieber steigt. In der kommenden Woche beginnt der Aufbau auf dem Marktplatz, und wenn dann erst das Fierche brennt, dann regiert bei uns für eine Woche nur einer: Bruder Lolls – und das tut uns allen sicher mal ganz gut.

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