Außergewöhnliches Bach-Konzert in der Hospitalkapelle mit Isabel Schau

Eine Frau, zwei Violinen

Bachs Notenschrift: Isabel Schau spielte von Faksimiles der Originale. Foto: Janßen

Bad Hersfeld. Eine Frau, zwei Violinen und dazu alle sechs Werke für Solo-Violine von Johann Sebastian Bach. Das waren die Zutaten für einen echten Bach-Marathon in der Bad Hersfelder Hospitalkapelle. Die Violinistin Isabel Schau, die mit ihrem Barock-Ensemble „La Visione“ seit Jahren zu den „Stammgästen“ in Bad Hersfeld zählt, spielte in der „Abendmusik“ die drei Partiten und Sonaten, die Bach mit den Kirchenjahreszeiten Advent und Weihnachten, Passion und Ostern sowie Pfingsten und Trinitatis verknüpft hatte.

Geboten wurde den Zuhörenden in der voll besetzten Kapelle ein außergewöhnlich zusammengestelltes Konzert – alle Stücke in einem Konzert zu spielen fordert dem Interpreten musikalisch, mental und körperlich außerordentlich. Isabel Schau ging die großen Herausforderungen mit Fingerspitzengefühl, großer Virtuosität und vor allem mit viel Liebe zu dieser besonderen Musik an. Sie hatte die Stücke anhand von Bachs handschriftlicher Reinschrift einstudiert, die viel mehr Nuancen transportiert, als dies bei gedrucktem Notenmaterial möglich ist. Interessierte Zuhörer hatten in der Pause und nach dem Konzert die Möglichkeit in der Faksimile-Ausgabe der Noten zu blättern und mit der Interpretin über ihre besondere Beziehung zu dieser Musik ins Gespräch zu kommen.

Der besondere Farb- und Nuancenreichtum der Bachschen Musik wurde von Isabel Schau vor allem durch ihre virtuose und transparente Spielweise deutlich gemacht. So war die Mehrstimmigkeit, die auf einem einzigen Instrument erzeugt werden kann, ebenso deutlich wahrzunehmen, wie der Reichtum an Obertönen. Transparent durchhörbar blieben auch melodische Details, wie beispielsweise die besonders in den von Schau sehr tänzerisch und elastisch gespielten Partiten deutlich wahrnehmbaren Choralmelodien. Betont wurde der Effekt der Musik weiter dadurch, dass Isabel Schau zwei unterschiedliche Barockgeigen aus dem 17. und 18. Jahrhundert benutzte. Wer von der Annahme ausging, das Violinen eben wie Violinen klingen, wurde in diesem Konzert eines besseren belehrt. Die beiden Instrumente, eine Carcassi-Violine von 1764 und die Kopie eines Instruments des Geigenbauers Jacobus Stainer um 1690 boten sehr unterschiedliche Klangerlebnisse und machten damit den Variantenreichtum der Barockvioline deutlich. Die Stainer-Kopie brillierte vor allem durch ihren Reichtum an Obertönen, während die Carcassi-Violine klanglich „geerdeter“ wirkte und ihre Möglichkeiten besonders in den schnelleren Sätzen wunderbar entfaltete.

Intime Atmosphäre

Isabel Schau verstand es in einzigartiger Weise, die Hospitalkapelle mit ihrer vergleichsweise intimen Atmosphäre für diese ergreifende Musik zu nutzen. In einem von ihr zu den „Sei Solo a Violino senza Basso Accompagnata“ verfassten Text bezeichnet sie diese Werke als Bachs „persönliches musikalisches Gebetbuch“, dessen Interpretation für sie eine besondere spirituelle Dimension habe.

Isabel Schaus Begeisterung für diese Musik übertrug sich in diesem außerordentlichen Konzert auf die Zuhörenden, die diese großartige Leistung mit stehenden Ovationen feierten.

Von Ute Janssen

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