Charlotte Sieglin spielt die Warwara in den Sommergästen

Eine Frau mit Geheimnissen

Damenhaft-elegant wirkt Charlotte Sieglin und für diese Rollen wird sie gerne eingesetzt. Manchmal hätte sie aber richtig Lust, das wilde Mädchen zu geben. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Sie ist die Geheimnisvolle, die Stille, immer ein wenig abseits Stehende, eine Frau mit innerer Sehnsucht, die sie nicht nach außen bringen kann. Charlotte Sieglin spielt die Warwara in Maxim Gorkis Sommergästen. Es ist die Rolle, die sie sich insgeheim gewünscht hat, nachdem Holk Freytag sie angerufen und sie gefragt hatte, ob sie in den Sommergästen mitspielen wollte.

Dabei ist die Warwara nicht unbedingt eine Symphatieträgerin, ist sich Charlotte Sieglin bewusst. Und sie findet es auch durchaus schwierig, unsymphatische Rollen zu spielen. Dass Warwara die Nase voll hat von ihrem Ehemann kann Charlotte Sieglin sehr gut nachvollziehen. Das zu spielen war dagegen eine Herausforderung, weil sie Stefan Reck, den Darsteller des Bassow, so nett findet.

Herausforderungen sind jedoch etwas, was Charlotte Sieglin an ihrem Beruf besonders liebt. Sich in Rollen hineinzuversetzen, zu verstehen, warum eine Figur tut, was sie tut und das dann für die Zuschauer nachvollziehbar machen, das findet die Schauspielerin toll. Und deshalb hätte sie richtig Lust, mal etwas ganz anderes zu machen, als die damenhaften Rollen, die ihr oft angeboten werden, etwas Wildes, Ungezogenes. Vorstellen könnte sie sich auch eine Entwicklungsgeschichte, so wie zum Beispiel die Effi Briest.

Ganz viele Traumrollen

Aber, so sagt Charlotte Sieglin, „man kann an allen Rollen etwas finden, auch an den kleinen. Ich bin fast immer froh, wenn ich spiele.“ Deshalb gibt es für sie ganz viele Traumrollen, wenn auch nicht die eine Superrolle.

Dass sie Schauspielerin werden wollte, das war für die aus Bremen stammende Charlotte Sieglin schon relativ bald klar. Zumindest nachdem ihr bewusst geworden war, dass es mit dem Traumjob als Märchenkönigin im wirklichen Leben nichts werden würde. Die einzige Möglichkeit, diesen Traum umzusetzen, war als Schauspielerin. Ihr Talent für den Beruf fiel schon an der Schule auf, als sie Dialekte imitierte oder einen Zirkusdirektor mit französischem Akzent gab.

Beim Vorsprechen für die Schauspielschule dagegen habe man ihre Eignung weniger offensichtlich gefunden, gesteht Sieglin. Da wurde ihre fehlende Theatererfahrung bemängelt. Nach einem Jahr Praktikum im Theater war dieses Problem behoben.

Harte Arbeit für wenig Geld

Bei aller Begeisterung fürs Theater war Charlotte Sieglin immer bewusst, dass Schauspielen harte Arbeit für wenig Geld bedeutet. „Ich wusste vorher, dass man am Rande der Sozialhilfe lebt und habe es trotzdem gemacht, weil es meine Leidenschaft ist“, sagt sie. Davon, ein großer Star zu werden, träumt sie aber nicht mehr, auch wenn sie es genießt, wenn sie erkannt und wenn ihre Arbeit geschätzt und beachtet wird.

Positiv aufgefallen ist ihr deshalb die Theaterbegeisterung der Hersfelder. Und deren Fürsorge für die Schauspieler. Während der kalten Probenzeit bekam sie einen Rollkragenpulli geschenkt. „Wir können unsere Schauspieler doch nicht so frieren lassen“, habe die Spenderin gesagt, erzählt sie.

„Bad Hersfeld ist schon ein Begriff. Ich hatte nicht die geringsten Vorbehalte hierherzukommen“ sagt sie. Und da sie schon öfter unter freiem Himmel gespielt hat, meistens bei Regen, wie sie lachend erzählt, war sie auch von Kälte und Nässe während der Proben und Aufführungen nicht so schockiert.

Nun, da es sommerlich warm ist und keine Ablenkung mehr durch die WM droht, hofft Charlotte Sieglin auf ganz viele Besucher für die Sommergäste. „Das ist eine tolle Inszenierung“, schwärmt sie, „mit tollen Kollegen. Das muss man einfach gesehen haben.“ Wo sie Recht hat, hat sie Recht!

Von Christine Zacharias

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