Eine fast richtige Oper und Simca-Erinnerungen

Karl Schönholtz

Als in dieser Woche die Pressekonferenz für die Aufführungen von Verdis Requiem im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele stattfand, sprach Intendant Dieter Wedel von einer „fast richtigen Oper“ und „Verdis schönster Oper ohne Handlung“. Da lag die Frage nach einer „richtigen Oper“, also einer Oper mit Handlung bei den Festspielen auf der Hand. Schließlich gibt es nicht wenige Freunde klassischer Musik, die das Aus für die bisherige „Oper in der Stiftsruine“ bedauert haben – völlig ungeachtet der Dissonanzen zwischen dem Arbeitskreis für Musik, den Festspielen und der Stadt Bad Hersfeld, die eine Zusammenarbeit zumindest in dieser Spielzeit nicht hergegeben haben.

Dieter Wedel ließ sich in Sachen Oper 2017 natürlich nicht in die Karten gucken und vertröstete den Fragesteller auf einen späteren Zeitpunkt.

Mit dem Requiem haben die Festspiele diesmal zwar keinen Ersatz im Angebot, zeigen aber immerhin, dass ihnen die Klassik nicht gleichgültig ist. Dafür sprechen auch die Dimension der Produktion und der personelle Aufwand.

Das Treffen der Simca-Fahrer in Rotenburg (siehe HZ vom Dienstag) hat bei mir Erinnerungen geweckt: zum Beispiel an die Firma Auto-Friedrich in der Hainstraße, die dort ansässig war und Simcas verkaufte, wo jetzt das Postgebäude steht.

Bei Friedrich war mein Vater viel öfter Kunde, als ihm lieb sein konnte. Denn die französischen Simcas waren zwar in der Anschaffung vergleichsweise günstig, dann aber recht häufig kaputt. Ein paar Jahre war der kleine Simca 1000 unser Familienauto: Ein Viertürer zwar, aber der schlappe Heckmotor produzierte gerade mal 40 PS. Das war schon bergauf in der Rhön ziemlich peinlich. In Zeiten vor der Gurtpflicht saßen bei uns vier Kinder nebeneinander auf der Rückbank, für das jüngste war aber nur vorne auf der Kante Platz, weil sich die Popos der drei Großen an der Lehne breit gemacht hatten.

Irgendwann wurde aus Simca Talbot, und irgendwann ist mein Daddy auch auf zuverlässigere Autos umgestiegen.

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