Felix Nöding und André Kiepfer möchten ihre Zeit als „Zivis“ im Klinikum nicht missen

Eine Erfahrung fürs Leben

Sie werden dringend gebraucht: Die beiden Zivis Felix Nöding (vorn) und André Kiepfer sorgen dafür, dass der Patient rechtzeitig zu seinen Untersuchungen gebracht wird. Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Wer geht schon gern ins Krankenhaus? Auch der 20-jährige Andre Kiepfer aus Bad Hersfeld hatte so seine Vorurteile – bis er auf Empfehlung seines älteren Bruders den Zivildienst im Klinikum antrat. „Ich bin hier mit einem ganz anderen Bild reingegangen“, erzählt der junge Mann mit der blonden Strubbelfrisur und lächelt gewinnend.

Kein Wunder, dass ihn die Patienten mögen. Er ist einer von momentan 33 Zivildienstleistenden, die das Pflegepersonal bei ihrer aufopferungsvollen Arbeit unterstützen. Zusammen mit seinem Zivi-Kollegen Felix Nöding manövriert er gerade einen älteren Herrn aus Kirchheim mitsamt dessen Bett geschickt in den Fahrstuhl.

Man bekommt als Zivi im Klinikum großen Respekt für die Arbeit des Pflegepersonals.

Felix Nöding (20) Zivildienstleistender

Rund 600 dieser Patiententransporte zwischen den Stationen, zu Untersuchungen und Behandlungen müssen täglich im Klinikum abgewickelt werden, damit die minutiös abgestimmten Prozesse der Krankenhausmaschinerie nicht ins Stocken geraten. Die Zivis werden gebraucht. „Man entwickelt bei der Arbeit schnell eine Beziehung zu den Patienten“, sagt Andre Kiepfer

Und man bekommt einen Eindruck von der Arbeit im Krankenhaus: Stress, Personalmangel, Hektik – die Auswirkungen der Gesundheitspolitik sind für die beiden Zivis plötzlich greifbar geworden. „Man bekommt hier großen Respekt für die Arbeit des Pflegepersonals und versteht, warum die Dinge so sind, wie sie sind“, sagt Felix Nöding. Dennoch geben beide zu, dass sie sich ohne den Zwang zum Zivildienst wahrscheinlich nicht freiwillig für den Hilfseinsatz gemeldet hätten.

Für Felix Nöding waren die Eindrücke vom Krankenhausalltag zwar keine Werbung für den Beruf, weil er erleben musste, wie schwer die Patientenbetreuung unter ständigem Zeit- und Kostendruck ist. Er will deshalb nach seinem Zivildienst Wirtschaftswissenschaften studieren. Auch André Kiepfer, der bereits eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann absolviert hat, wird in seine Firma zurückkehren.

Andere entdecken auf den Krankenhausfluren aber ihre Berufung fürs Leben. „Viele der Zivis sieht man dann später als Krankenpflegeschüler wieder“, weiß Britta Göbel, die sich in der Personalabteilung um die Zivildienstleistenden kümmert.

Doch auch für André und Felix war der Zivildienst keine verlorene Zeit. „Ich würde einen solchen Einsatz auch jedem anderen empfehlen“, sagt André. „Das ist eine Erfahrung fürs Leben.“

Von Kai A. Struthoff

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