Carmen Souza begeisterte das Publikum im Bad Hersfelder Buchcafé

Eine einzigartige Mixtur

So facettenreich und vielschichtig wie die farbenfrohe Kleidung von Carmen Souza ist auch ihre Musik. Carmen Souza spannt mit ihrer Band den musikalischen Bogen vom portugiesischen Fado bis hin zu modernem Jazz und traditionellem Swing. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Latin und Jazz, Fado, Soul und Swing – sehr verschiedene Musikstile sind das. Genau wie beim Kochen ist auch beim Musizieren oft weniger mehr, viele Zutaten machen noch lange kein gutes Gericht aus.

Der 29-jährigen kapverdisch-portugiesischen Musikerin Carmen Souza ist dieser musikalische Spagat jedoch gelungen. Heute lebt sie in London und musiziert schon seit einigen Jahren mit dem exzellenten portugiesischen Bassisten und Komponisten Theo Pas’cal, der Carmen Souzas musikalisches Talent vor acht Jahren in Portugal entdeckte und seitdem aktiv fördert.

Batuke und Morna

Gemeinsam entwickelten sie den Stil Carmen Souzas und dessen einzigartige Mixtur aus Gesang in portugiesischem Kreol, afrikanischen Rhythmen, kapverdischen Stilen wie Batuke und Morna, modernem Jazz, Swing und klassisch-portugiesischem Fado.

Am Donnerstagabend gastierte die vierköpfige Carmen Souza Band zum Auftakt ihrer zwölf Stationen umfassenden Deutschlandtournee im Bad Hersfelder Buchcafé, um ihre aktuelle dritte CD „Protegid“ vorzustellen.

Carmen Souzas extrem wandlungsfähige Gesangsstimme ist neben ihrem eleganten Erscheinungsbild wohl das beste Aushängeschild der hochtalentierten Künstlerin. Sie kann sehr tief und voluminös singen, aber auch kindlich zart und zerbrechlich leise. Hier bemerkt man als aufmerksamer Zuhörer sehr schnell, dass zu ihren musikalischen Vorbildern auf jeden Fall Ella Fitzgerald gehören muss, denn neben dem jugendlichen Charme ihrer Stimme ist besonders ihr jazziger Scatgesang erwähnenswert, mit dem sie wie ein Jazz-Instrumentalist über stolze drei Oktaven improvisieren kann.

Aber auch instrumental muss sich Carmen Souza neben ihren Bandkollegen an Bass, Schlagzeug und Klavier nicht verstecken, sie spielt Gitarre, E-Piano und typisch afrikanische Percussionsinstrumente.

Gleichberechtigter Bassist

Bassist Theo Pas’cal steht häufig gleichberechtigt neben seiner Kollegin auf der Bühne. Er soliert geradezu excellent und sehr ausdauernd, sowohl auf dem E-Bass als auch auf dem Kontrabass.

Gemeinsam mit Pianist Jonathan Idiabonya schafft Theo Pas’cal das ideale tonale Umfeld für die raffinierten Gesangslinien von Carmen Souza, die häufig von Bass, Piano oder Gitarre trotz atemberaubendem Tempo absolut synchron begleitet werden.

Das musikalische Programm der Carmen Souza Band ist sehr vielseitig. Neben typisch afrikanisch dominierten Rhythmen finden sich auch Swing- und Jazz-Grooves und stille melancholische Jazzballaden auf der Spielliste.

Das Bad Hersfelder Publikum nahm dieses niveauvolle und erfrischend vielseitige Beispiel von Weltmusik sehr positiv auf und spendete viel begeisterten Applaus für diesen sehr eigenen und absolut gelungenen Stilmix.

Von Werner Rödiger

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