Montagsinterview mit Robert G. Marhan, Amazon-Manager in Bad Hersfeld

„Ein starker Teamgeist“

Setzt auf einen respektvollen Umgang miteinander: Robert G. Marhan, General Manager bei Amazon in Bad Hersfeld. Auf dem Bild schaut der 36-Jährige durch ein Regal mit Kartons. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Der Rummel um Amazon reißt nicht ab. Seit der TV-Reportage über den angeblichen Leiharbeiter-Skandal Anfang 2013 steht der Online-Versandhändler in der Kritik. Auch die Forderung der Gewerkschaft Verdi und die Streiks hunderter Mitarbeiter, die für einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels kämpfen (wir berichteten mehrfach), haben europaweite Aufmerksamkeit erfahren.

Zuletzt haben sich immer mehr zufriedene Amazonier an die Öffentlichkeit gewandt. Wir haben mit Robert G. Marhan, General Manager am Standort Amazonstraße in Bad Hersfeld, gesprochen.

Sie haben erst kürzlich wieder betont, wie froh Sie sind, bei Amazon gelandet zu sein. Arbeiten Sie wirklich noch gerne dort?

Robert G. Marhan: Das kann ich ganz klar bejahen. Ich bin Amazonier durch und durch und bin auch im neunten Jahr noch glücklich, bei Amazon zu arbeiten.

Dabei soll die Stimmung in der gespaltenen Belegschaft ja nicht die beste sein ...

Marhan: Es gibt bei den Mitarbeitern unterschiedliche Meinungen zum Thema Tarif. Aber gleichzeitig herrscht eine sehr gute Stimmung, und es gibt sehr wohl einen starken Teamgeist hier, den wir uns auch nicht nehmen lassen. Ich sage meinen Mitarbeitern immer: Wir können unterschiedliche Auffassungen haben, aber wir sind gemeinsam ein Team, wir sorgen füreinander und passen aufeinander auf.

Zuletzt haben sich immer mehr Mitarbeiter mit Amazon solidarisiert. Hätte Amazon selbst nicht eher aus der Deckung kommen müssen, anstatt immer gleiche Statements herauszuschicken?

Marhan: Ich glaube, am Ende überzeugt immer die Wahrheit, und das ist genau das, was jetzt gerade passiert. Es meldet sich jetzt auch mal die schweigende Mehrheit zu Wort. An unserer Nachricht als Unternehmen hat sich eigentlich gar nicht viel geändert. Wir haben auch vor ein, zwei Jahren schon kommuniziert, dass wir respektvoll mit unseren Mitarbeitern umgehen. Das wird jetzt von vielen bestätigt.

Warum weigert sich Amazon so hartnäckig, über einen Tarifvertrag überhaupt zu reden?

Marhan: Amazon und Verdi passen nicht zusammen. Das möchte ich so deutlich sagen. Verdi fordert einen Einzelhandelstarifvertrag, wir sind aber Logistiker. Wir erledigen logistische Tätigkeiten. Wir haben fordende Jobs, keine Frage. Aber es sind sichere Jobs und saubere Jobs, und wir zahlen für die Logistikbranche sehr gut und fair.

Ist man mit dem Weihnachtsgeld nicht trotzdem einen Schritt aufeinander zugegangen?

Marhan: Ich glaube, das Weihnachtsgeld ist ein guter Schritt. Allerdings gab es darüber schon Gespräche, lange bevor Verdi das Thema für sich entdeckt hat. Eine Lohnentscheidung muss mit Maß und Ziel erfolgen und den langfristigen Erfolg des Unternehmens sichern, und sie muss den Arbeitnehmern genauso wie den Kunden gerecht werden.

Wobei auch die Höhe des Weihnachtsgeldes ein Streitpunkt ist. Wenn es einem Unternehmen so gut geht, sollten die Mitarbeiter dann nicht entsprechend beteiligt werden?

Marhan: Ich glaube, wir beteiligen unsere Mitarbeiter fair und angemessen. Jeder Mitarbeiter in Bad Hersfeld bekommt mindestens 10,01 Euro in der Stunde, Weihnachtsgeld, einen leistungsabhängigen Bonus und Aktien zugeteilt. Damit kommt er im zweiten Jahr schon auf über 2000 Euro monatlich, ohne Aktien wohlgemerkt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Amazon in Deutschland zu wenig Steuern zahle.

Marhan: Zur Steuerthematik möchte ich mich grundsätzlich nur mit einer Aussage äußern: Wir zahlen alle anwendbaren Steuern. Wir bewegen uns ganz normal in der europäischen Steuergesetzgebung. Amazon das zum Vorwurf zu machen, halte ich für verfehlt. Da liegt der Auftrag an ganz anderer Stelle.

Trotz Streiks hat es angeblich keine Lieferprobleme gegeben. So mancher Kunde will das anders erlebt haben. Auch jetzt gibt es wirklich keine Verzögerungen?

Marhan: Da kann ich ganz klar sagen, wir haben alle Kundenwünsche erfüllt und jede Bestellung zeitgerecht versand. Das ist mir wichtig, klarzustellen. Wir machen gute Geschäfte und haben gut zu tun, und das soll auch so bleiben.

Wann haben Sie denn Ihre letzte Bestellung bei Amazon aufgegeben?

Marhan: Das war vor Weihnachten. Da habe ich ein Mikrofonkabel bestellt, das auch zeitgerecht zugestellt wurde (lacht).

Viele fürchten eine Verlagerung der Werke ins Ausland. Wie sicher ist der Standort Bad Hersfeld?

Marhan: Erst mal: Wir verlagern nichts ins Ausland. Wir haben vor, unser Netz mit neuen Standorten in Tschechien und Polen zu erweitern, um das Wachstum voranzutreiben.

Von Nadine Maaz

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