250 Dinge, die wir an der Region mögen (134): Die Klostermühle zu Niedernsulza

„Ein Müllerleben hat Gott gegeben“

Die Südansicht des fünfstöckigen Gebäudes der Klostermühle. Die Gefache wurden mit Kratzputz mit Motiven der Schwälmer Hessenstickerei gestaltet. Foto:  Otto

Sorga. Wenn man auf dem Solztal-Radweg östlich des Bahnhofs Sorga über die Wiesen schaut, fällt ein großer weißer Giebel mit einem Mühlrad auf. Ein nur 400 Meter kurzer Abstecher vom Radweg zu diesem Gebäude lohnt sich, denn am idyllischen Mühlbach entlang erreicht man die Klostermühle des ehemaligen Klosters Petersberg.

1397 erstmals erwähnt

Von den Mühlen des Solztales beeindruckt besonders diese Klostermühle oder Gerichtsmühle, die im heutigen Ortsteil Sölzerhöfe der Gemarkung Sorga liegt. Bereits um 1314 hatte das Kloster Petersberg Besitzungen in Sölzerhöfe, die Mühle wurde aber erst 1397 urkundlich erwähnt, also zu einer Zeit, als es den Ort Sorga noch gar nicht gab.

In einer Karte von 1705 sind die Orte Newsorg (Sorga) und Sültz (mit einem Mühlensymbol) eingezeichnet. Johann Schuchard aus Sorga musste seine schon im Bau befindliche Mühle wieder abreißen, denn im Bannbezirk der Klostermühle in Sültz durfte keine weitere Mühle errichtet werden. Die Bewohner von Sorga, Cathus und Petersberg mussten ihr Getreide in der Klostermühle mahlen lassen. Dieser Mühlenbann wurde erst 1837 aufgehoben.

Zahlreiche Müller der Klostermühle sind namentlich bekannt, von Tolde Mulner und seiner Frau Meze im Jahr 1397 bis zu Helmut Greß und seiner Frau Martha (1960 bis 2004). Bevor Sorga 1912 an das Stromnetz angeschlossen wurde, erzeugte der Müller mit Wasserkraft Strom für die Beleuchtung des Hauses und für den Antrieb seiner Dreschmaschine, was damals sehr „innovativ“ war. Die Kleinbauern aus Sorga ließen in der Scheune des Müllers ihr Getreide dreschen, und die Körner blieben zum Teil gleich in der Mühle. 1920 wurde die Mühle umgebaut und neue Maschinen in fünf Stockwerken untergebracht. Mit den nun zur Verfügung stehenden 18 PS konnte die Leistung auf eine Tonne Getreide in 24 Stunden gesteigert werden.

Im Bett verbrannt

1955 wurde der Mühlentrakt durch einen Brand erheblich beschädigt: Ein Mitarbeiter der Mühle war mit einer Zigarette im Bett eingeschlafen und bei dem entstandenen Feuer selbst verbrannt.

1957 brach die aus einem dicken Eichenstamm bestehende Welle des Mühlrades, weswegen auf Turbine umgestellt wurde. Trotzdem rentierte sich der Mühlenbetrieb immer weniger: Müller Helmut Greß bekam nur 3,50 DM für das Mahlen eines Zentners Getreide. Deshalb stellte er 1972 den Mühlenbetrieb endgültig ein. Bis heute geblieben ist aber die Erzeugung von Öko-Strom.

Helmut Greß erbaute anstelle des alten Mühlrades ein Aluminium-Mühlrad von 5,20 Metern Durchmesser, das zwar keine Energie erzeugt, die Südansicht des fünfstöckigen Mühlengebäudes aber wieder vervollständigt. 1995 putzten Helmut und Martha Greß die Gefache des Mühlengiebels neu und verzierten sie durch Kratzputz mit Motiven aus der Schwälmer Hessenstickerei. Mit viel Liebe und Arbeit haben sie ihr stattliches Anwesen vorbildlich renoviert und zur repräsentativsten Hofanlage Sorgas gestaltet.

Im Denkmalbuch der Stadt Bad Hersfeld und an der Westwand der Scheune kann man lesen: „Die Mühle ist mit altem Wohnhaus, Scheune, Stall, Hofpflaster und den beiden Torpfosten Kulturdenkmal aus künstlerischen, geschichtlichen und städtebaulichen Gründen.“

Abschließend soll ein Spruch von Helmut Greß zitiert werden, der rückblickend erahnen lässt, wie schön, aber auch wie schwer der Beruf des Müllers einmal war:

„Ein Müllerleben

hat Gott gegeben,

aber das Mahlen bei Nacht,

das hat der Teufel erdacht.“

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