Carola Moritz präsentierte in der Martinskirche Georg Kreislers Musical „Lola Blau“

„Ein herrliches Weib“

Rollenwechsel: Carola Moritz verkörpert eindrucksvoll in „Heute Abend: Lola Blau“ verschiedene Charaktere und braucht dazu nicht viele Requisiten. Foto:  Hettenhausen

Bad Hersfeld. Ein gefühlvoller Song folgte dem anderen, als die temperamentvolle Carola Moritz am Donnerstagnachmittag in der Martinskirche im Rahmen des Seniorenadvents die Rolle der „Lola“ in „Heute Abend: Lola Blau“ spielte. Der bekannte Komponist und Dichter Georg Kreisler schrieb 1971 dieses Ein-Personen-Musical. Seitdem sind seine schwungvollen, erheiternden, aber auch sentimentalen Kabarettsongs daraus zu Klassikern geworden, die die Zuhörer begeistern.

Der Auftritt der Schauspielerin und Sängerin Carola Moritz bot ein weiteres Beispiel dafür. Ihr Handwerkszeug ist nicht nur ihre überzeugende Mimik, sondern es ist auch ihre Kunst, verschiedene Mundarten zu beherrschen. Sie „berlinerte“ und „wienerte“ nach Herzenslust und verkörperte so äußerst geschickt ohne große kostümliche Veränderungen viele Charaktere.

Beruf einfach nur „Dame“

Als nervige, biedere Frau Schmidt brillierte sie ebenso wie in der Rolle der hochnäsigen „Dame“, deren Beruf einfach nur „Dame“ ist. Von großer Komik ist das jiddische Lied „Ein herrliches Weib“, über die Frau, die nicht kochen, lesen und denken kann, aber dafür klasse aussieht. Mal spielte Moritz die Naive, die sich dem Theaterdirektor anbiedert, mal ist sie die aufreizend Frivole, die Überglückliche und dann wieder die verzweifelt Traurige. Immer überzeugte Moritz ihr Publikum mit ihrer Darstellung und ihrem Gesang. Sie war einfach gut.

Kreislers Stück bietet aber auch eine Fundgrube an schauspielerischen Möglichkeiten. Es ist nicht nur Komödie, sondern auch Tragödie. Scharfzüngig und ironisch werden Gefühle und Eitelkeiten bloßgelegt.

Lola Blau ist eine jüdische Sängerin, die 1938 in Wien lebt und sich auf ihr erstes großes Engagement in Linz freut. Der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland macht ihre Träume zunichte. Lola hofft, in der Schweiz ihren Geliebten Leo zu finden, doch auch hier hat sie kein Glück. Sie wandert nach Amerika aus, wo sie schließlich zum gefeierten Star aufsteigt.

Lola erkennt, als sie nach dem Krieg in die Heimat zurückkehrt, dass sich nichts verändert hat, weder die Leute noch die Ansichten. Offen bleibt, was aus ihrer Liebe zu Leo geworden ist. So singt sie am Schluss das gleiche Lied wie zu Beginn. Mit „Weder-noch“ schließt sich der Liederreigen, den Michael Vardopoulos beeindruckend am Klavier begleitete.

Von Vera Hettenhasuen

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