Komödie der Irrungen: Wie Kritiker sie sahen – Eher verhaltene Reaktionen

„Ein geglücktes Ragout“

Premieren-Impressionen: Peter Weck im Gespräch mit Judy Winter, der frühere ZDF-Manager Alfred Hillen mit Ehefrau auf dem dicht umlagerten roten Teppich, Elisabeth Lanz und Peter Weck posieren in der Ruine für Fotografen und der ZDF-Moderator Cherno Jobatey schäkert mit Festspiel-Platzanweiserin Jana Schiller (von oben links nach unten rechts) Fotos: zac, jce, kai

Bad Hersfeld. Die Premiere der „Komödie der Irrungen“ zur Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele stößt bundesweit bei Kritikern auf wohlwollende Akzeptanz, jedoch nicht auf Rundum-Begeisterung. Das Shakespeare-Stück selbst gilt den einen noch als Fingerübung des späteren Meisters (nachtkritik.de), andere vermissen die dominierende Rolle der Ruine. (Göttinger Tageblatt). (sis)

Eine Auswahl: „... Temporeich und unterhaltsam hat Wedel mit Lust auf die große Geste und wenig Scheu vorm beiläufigen Kalauer inszeniert. ... Die Ruine übrigens, sonst häufig so prägend für Theaterabende, muss diesmal auch mit einer Nebenrolle zufrieden sein. ...“ Göttinger Tageblatt

„... Wer sich sorgte, ob die Fernsehstars auf der großen Freilichtbühne bestehen, konnte beruhigt sein: Das Ensemble konnte überzeugen. Das Stück selbst und Wedels Inszenierung sorgten dagegen für geteilte Reaktionen. Wedel legte das Stück klamaukig an, die großen Lacher aber blieben aus. Manchen Besuchern war diese Komödie eher eine Irrung und zu flach geraten. Durchaus gelungen ist Dieter Wedel auch der Versuch, das Umfeld der Festspiele zu verbessern. Der Park um die Stiftsruine ist nun zauberhaft beleuchtet, es gibt ein großes Gastronomiezelt und weitere Getränkezelte, es gibt eine Pause und viel Atmosphäre um die Vorstellung herum ...“ hr-online

„Die bange Frage drängt sich auf, warum eine neue Intendanz mit dieser neckischen, zerdehnten Spielerei beginnen muss. Fast scheint es, als nehme Wedel mit Shakespeares Fingerübung erst einmal Maß in der Stiftsruine, um dann im kommenden Jahr richtig loszulegen. Eine andere Begründung könnte sein, dass Abende wie dieser gewiss niemanden weh tun, keinen Sponsoren verschrecken, und dass dieses Theater auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner schon Teil der vom Bad Hersfelder Bürgermeister immer wieder geforderten Neuausrichtung der Festspiele ist.“

nachtkritik.de

„... Die Komödie der Irrungen ist in der Inszinierung des Intendanten eine skurrile, auf eine quietschfidele und souveräne Art sinnlose Mischung aus Shakespeare-Komödie und Wedekind-Zirkus. Auf der Bühne steht eine große Manege, in der am Anfang und zwischendurch immer einmal wieder kleine und nicht so kleine Kunststücke vorgeführt werden. ... Die waltende fundamentale Unernsthaftigkeit ist vom frühen Shakespeare-Text nicht so weit entfernt. Aber man kann nicht gerade behaupten, dass die Möglichkeiten in die Tiefe ausgelotet würden. ...“ Frankfurter Rundschau

„Wer also Abwechslung im Takt hysterischer Flügelschläge liebt, wird bei Dieter Wedels Shakesspeare-Brathendl ohne viel Federlesen gut bedient. Allerdings hat man wie im richtigen Hühnerhof viel zu schnell begriffen, worum es geht, um dem Geschnatter auch noch geistig zu folgen. In Wedels Dramaturgie ist die Verwechslungsgeschichte um früh getrennt Zwillingsbrüder eher eine Komödie der Begriffsstutzigen, die das Offensichtlichste nicht erkennen und deswegen immer wieder die gleichen Fehler begehen. Das ist etwas zäh, ziemlich lang, und nur mäßig komisch. ...“ Süddeutsche Zeitung

„Auf der imposanten Bühne in der romanischen Kirchenruine inszenierte der Filmemacher Shakespeares „Komödie der Irrungen“. Die Zuschauer in der mit rund 1200 Zuschauern ausverkauften Stiftsruine spendeten langen, aber keinen frenetischen Applaus für die Uraufführung. Der ein oder andere mochte sich womöglich noch mehr Unterhaltung erhofft haben. Die Erwartungen waren hoch. ...“ dpa

„Das grotesk-grelle Verwechslungsspiel, in dem durchaus auch todernste Momente bestehen können, inszeniert Wedel mit großem handwerklichen Können und mit verblüffender Fantasie. ... Wedel hat im Sinne von Goethes Theaterdirektor vieles gebracht, um manchem etwas zu bringen; ein Stück aus vielen Stücken, ein geglücktes Ragout.“ ... Fuldaer Zeitung

„Ein Füllhorn hübscher Regie-Einfälle setzt die papierdünne Handlung in Szene. ... Die Schwächen des substanzarmen Stoffs können aber auch mit der Wedelschen Textfassung und dem Zirkus-Kniff nicht kaschiert werden. Und die tiefere Bedeutungsebene ... hätte deutlich besser ausgelotet werden können“ HNA Kassel

Kommentare