Interview: Festspiel-Regisseur Gil Mehmert feiert in Hamburg Musical-Erfolg mit „Das Wunder von Bern“

„Ein berauschendes Erlebnis“

Emotionale Bilder: Die Musical-Produktion „Das Wunder von Bern“ feiert derzeit in Hamburg Erfolge, Regie führt Gil Mehmert, der auch Cabaret und Sunset Boulevard auf die Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine gebracht hat. Foto: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Hamburg/Bad Hersfeld. Die Kritiker sind ebenso begeistert wie das Publikum von der neuen Hamburger Musical-Produktion „Das Wunder von Bern“, für die im Hafen ein weiteres Theaterhaus errichtet worden ist. Für Buch und Regie zeichnet Gil Mehmert verantwortlich, der in diesem Jahr bei den Bad Hersfelder Festspielen mit großem Erfolg „Cabaret“ inszeniert hat und davor bereits mit „Sunset Boulevard“ in der Stiftsruine Musical-Geschichte schrieb. HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm ließ sich als fußball- und theaterbegeisterter Besucher von der Hamburger Produktion in den Bann ziehen und schlug mit Gil Mehmert im Gespräch hinter den Kulissen einen Bogen zwischen zwei Theaterwelten.

Für mich ist „Das Wunder von Bern“ Champions League, um beim Bild des Fußballs zu bleiben. Wo sind aus Ihrer Sicht im Vergleich zu dieser aufwendigen, hochtechnischen Millionen-Produktion die Bad Hersfelder Festspiele anzusiedeln? Regionalliga, Bundesliga?

Gil Mehmert (schmunzelt): Das ist ein ganz schwerer Vergleich. Das Wesentliche für mich ist ja nicht, dass ich einen großen Etat habe, wobei ich dann auch den Druck spüre, eine riesige Technik auf die Bühne stellen zu müssen. Entscheidend ist, dass ich mir das Ensemble nach meinen Vorstellungen aussuchen und auf die Bühne bringen kann. Und das habe ich in Bad Hersfeld auch.

Kann Bad Hersfeld sich also qualitativ einreihen in die großen nationalen und internationalen Musicalproduktionen?

Mehmert: Da ist Bad Hersfeld sicherlich ganz weit vorn, weil sowohl in den Regieteams die besten Leute arbeiten, die im deutschsprachigen Raum verfügbar sind, als auch bei den Darstellern.

Bleiben wir in der Parallelwelt des Fußballs. Hand aufs Herz, da heißt es „Geld schießt Tore“. Macht es nicht doch das Budget aus, das ja in Bad Hersfeld im Vergleich zu einem hochaufgerüsteten Musicaltheater doch eher bescheiden ausfallen muss?

Mehmert: Geld macht es natürlich leichter, die richtigen Leute zu bekommen, die auch einen entsprechenden Marktwert haben. Aber gutes Theater kann ich mit Geld auch nicht erzwingen oder erkaufen. Letztendlich muss man einen tollen Theatergeist und ein gutes Arbeitsklima schaffen, dann ist auch mit geringeren Mitteln Großes möglich. Und viele Künstler wollen gerne in der Stiftsruine spielen, was ein berauschendes Erlebnis sein kann.

Korpsgeist, der wird im Fußball beschworen und eben auch künstlerisch von Ihnen. Hat es Ihnen für „Das Wunder von Bern“ geholfen, dass Sie selbst fußballbegeistert und insofern mit Tränen und Schweiß aufgewachsen sind?

Mehmert (lacht): Also das find’ ich schon wichtig, dass wenn man ein Stück inszeniert, man in dem Stoff zu Hause ist. Ich kenne mich wirklich aus, habe früher selbst gespielt, schlecht. Und wahrscheinlich aus dieser Gram heraus habe ich einen Film über mein Idol Günter Netzer mit dem Titel „Aus der Tiefe des Raumes“ gemacht. Er hatte sich davon ein wenig fern gehalten. Und hier in Hamburg nun haben wir uns bei der Premiere getroffen, die er sehr genossen hat, womit sich für mich ganz wunderbar ein Kreis geschlossen hat.

Ein Stück wie „Das Wunder von Bern“ ist auf Jahre ausgerichtet, das ist ein Marathon. Sind dagegen Festspiele wie in Bad Hersfeld mit extrem kurzen, intensiven Probenzeiten und einer Konzentration auf wenige Wochen so etwas wie ein Sprint, der alle Kraft auf kurze Zeit versammelt?

Mehmert: In einer Produktion wie Das Wunder von Bern ist es wichtig, dass das Team auf Dauer gut zusammenarbeitet, der Mannschaftsgeist stimmt und alle sich wohl fühlen, ohne dass die Spannung verloren geht. Umgekehrt ist es einfacher bei den Festspielen, wie wir es auch aus dem Sport kennen, die Leute in kurzer Zeit energetisch zu pushen und kurzfristig zu tollen Leistungen zu bringen. Das ist ein tolles Erlebnis, auch wenn es bei langen Nachtproben oder manchmal im kühlen Regen schon auch an den Nerven aller Beteiligter zehrt.

Die nächsten Ziele werden Sie wohl unter trockene Dächer führen, was steht an?

Mehmert: Jetzt bereite ich gerade „Figaros Hochzeit“ für die Oper in Leipzig vor. Dann mache ich das Musical „Hair“ in München am Gärtnerplatz, wo auch einige Bad Hersfelder Ensemblemitglieder aus „Cabaret“ dabei sein werden. Und danach inszeniere ich „Evita“ in Bonn.

Um noch einmal das Bild des Fußballs zu bemühen; werden wir Sie als Coach wieder erleben bei den Bad Hersfelder Festspielen, sind Sie auf dem Transfermarkt?

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Mehmert: Ich bin interessiert und ich hoffe auch, dass die Leitung interessiert ist. Wir haben uns gut verstanden. Auch vorher mit Holk Freytag war es angenehm. Für mich war es wichtig und erleichternd, dass es bei allen bekannten Problemen einen sportlich-fairen Übergang gab. Ich fühle mich Dieter Wedel verbunden und hoffe, dass es ein Wiedersehen gibt in Bad Hersfeld.

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