Schülerinnen lernen beim „Speed-Dating“ Frauen und ihre Berufe kennen

Im Eiltempo von Job zu Job

Lucia Hüllermeier beantwortete beim „Speed-Dating“ geduldig die Fragen der Schülerinnen. Vor rund 30 Jahren war sie eine der ersten Schutzpolizistinnen in Hessen und damit, wie sie sagt, eine absolute Exotin. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Ruckzuck musste es gehen beim „Speed-Dating“ im Landratsamt. Was macht eigentlich eine Forstamtfrau, wieviel verdient eine Polizistin, und wie sehen die Hände einer Tischlerin aus?

24 Mädchen der Klassen sechs bis acht aus verschiedenen Schulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg und darüber hinaus hatten die Gelegenheit, mit Frauen ins Gespräch zu kommen, die nicht „ganz so typische Berufe für Frauen“ ausüben. Wobei sich schnell herausstellte: Frauen in vermeintlichen Männerberufen sind keine Seltenheit mehr – vor 30 Jahre war das allerdings noch ganz anders.

Beim beruflichen „Speed-Dating“, das von der Frauenbeauftragten des Landkreises, Ute Boersch, organisiert worden war, konnten die Teilnehmerinnen jeweils zu zweit oder zu dritt mit einer Forstamtfrau, Tischlermeisterin, Schutzpolizistin, Informatikerin, Bau-Ingenieurin, Fahrlehrerin oder Gesundheitsbeauftragten ins Gespräch kommen, die sich und ihrer Berufe vorstellten – dafür hatten die Mädchen nur fünf Minuten Zeit, danach ging es weiter an den nächsten Tisch.

Die Zeit stoppte Ute Boersch, jeden Wechsel kündigte sie mit einer Trillerpfeife an. Zunächst ging es etwas schüchtern los, doch für den Fall, dass es in der Kommunikation hakte, lag auf jedem Tisch auch ein Zettel mit möglichen Fragen rund um Ausbildungsinhalte, Zukunftschancen oder auch zum Verdienst.

„Ich habe schon als junges Mädchen gerne draußen rumgebastelt“, berichtete Tischlermeisterin Ruth Kinzer, und als sie 1979 ihre Ausbildung angefangen habe, sei sie in dem Beruf eine absolute Ausnahme gewesen. Sie räumte auch mit einem Vorurteil auf: „Die Hände werden zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber alle Finger sind noch dran.“ Die Zusammenarbeit mit den Kollegen sei zwar rau, aber herzlich und vor allem seien die Männer sehr direkt und nicht so zickig wie manche Frau.

Schutzpolizistin Lucia Hüllermeier war zu Beginn ihrer beruflichen Karriere ebenfalls eine Exotin und eine von Hessens ersten Schutzpolizistinnen überhaupt, denn erst ab 1981 konnten Frauen diesen Beruf ergreifen. „Ich bin aus Abenteuerlust dazu gekommen“, antwortete sie auf die Frage, warum sie Polizistin werden wollte. Auch Fragen zum Verdienst beantwortete sie bereitwillig und ausführlich.

Nach den Fragerunden im Eiltempo gab es für alle Teilnehmerinnen einen Imbiss sowie die Möglichkeit, nochmal in Ruhe mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Auch die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz wollte noch vorbei schauen, um von ihren Erfahrungen als Frau in der Politik zu berichten.

Gerne berichten wir noch über weitere Aktivitäten zum Girls’ und Boys’ Day. Texte und Bilder sollten aber bis spätestens Montagvormittag bei uns eintreffen: redaktion@hersfelder-zeitung.de

Von Nadine Maaz

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