250 Dinge, die wir an der Region mögen (55): „Ruudi und LACKenegger-Island“

Eiland mit dem roten Stein

Der Gedenkstein auf dem „Ruudi und LACKenegger-Island“ an der Kreuzung Gershäuser Straße/Bahnhofstraße. Foto: Löwenberger

Kirchheim. Es begab sich im Jahre 2006, dass in Kirchheim eine große Feierlichkeit geplant wurde. Autobahnfest sollte das Spektakel heißen und eine ganze Nacht und einen ganzen Tag lang währen.

Zur gleichen Zeit nahm die Kirchheimer Bürgerin und Leiterin des Tourismus-Service, Heidrun Englisch, an einem Gewinnspiel der Rundfunkanstalt des Landes teil und schenkte den Radiomoderatoren Peter Lack und Marcus Rudolph eine Insel – eine Verkehrsinsel. Mit dieser außergewöhnlichen Gabe gewann sie den ersten Preis und bescherte damit der Veranstaltung eine heiße Disconacht zum Auftakt.

So geschah es denn auch, dass zu Beginn der Lustbarkeit eine große, weiße Stretchlimousine in Kirchheim vorfuhr und zwei Herren in feinstem Tuch über einen roten Teppich ihre Insel betraten, um von ihr offiziell Besitz zu ergreifen. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurden die neuen Inselherren von Gemeindeoberhaupt Manfred Koch freundlich in Empfang genommen und gemeinsam wurde ein großer, roter Fels enthüllt, der den Besitzerwechsel des „Ruudi und LACKenegger-Island“, wie es fortan genannt wurde, dokumentierte. Sogar das Landesfernsehen trug die Kunde über dieses historische Ereignis weit in die Welt hinaus.

Neben einer Besitzurkunde gab es als weitere Darbringung für die beiden Namensgeber je einen – ebenfalls feuerrot getünchten – Originalstein von der Insel mit Echtheits-Zertifikat. „Wenn sie mal reif für die Insel sind“, tat der Gemeindechef kund, „legen sie einfach den Stein auf den Boden, stellen sich drauf - und schon sind sie auf ihrem Atoll.“

Nur für die Feuerwehr des Dorfes stand der Abend unter keinem guten Stern. Eine geplante Wasserfontäne, die bis hoch in den Himmel reichen und das Ereignis weithin verkünden sollte, missriet, und so wurden die neuen Inselherren samt Territorium gleich „getauft“.

Noch heute steht der rote Stein auf der Verkehrsinsel in der Gershäuser Straße, Kreuzung Bahnhofstraße und wird rund um die Uhr von einer Webcam bewacht. Aber es ist ruhig geworden um das Eiland und kaum einer der Vorbeifahrenden beachtet das kleine Monument oder kennt gar seine „historische“ Bedeutung. Vielleicht erinnern sich ja die Radiomacher mal wieder an ihren Besitz in Kirchheim und moderieren eine Sendung von ihrer Insel, so wie sie es seinerzeit in Aussicht gestellt hatten. Oder es finden sich ein paar mutige, hübsche Menschen, die einen FKK-Urlaubstag hier verbringen. Ein Planschbecken dürfte sicher aufzutreiben sein, und für Aufmerksamkeit würden wohl beide Events sorgen.

Und wenn sie nicht gestorben sind – kommt dann vielleicht sogar wieder das Fernsehen.

Von Bernd Löwenberger

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