Geistalschüler ergründen sich selbst und euphorisieren das Publikum im Buchcafé

Was ist eigentlich normal?

Bad Hersfeld. Wohin wird mich mein Leben führen? Was ist das für eine Welt, in der Menschen aufgrund ihrer Herkunft angegriffen werden? Tragen wir durch unser Konsumverhalten Schuld an den unethischen Prinzipien der Lebensmittelindustrie? Was, wenn ich auf der Suche nach Liebe am Ende nur Schokolade finde? Und was ist normal?

Gedanken einer Generation

Die Fragen, mit denen sich 22 Jugendliche der neunten und zehnten Klasse der Geistalschule in einem dreitägigen Poetryslam-Workshop auseinandersetzten und die sie in kurzen poetischen Texten niederschrieben, wabern durch die Dunkelheit des Hersfelder Buchcafés. Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Gespannt lauscht das Publikum den Gedanken einer jungen Generation, die mal nachdenklich, mal lustig, am Ende immer kreativ Einblicke in ihre Lebenswelt gibt. Nach jedem Beitrag wird die Stille von frenetischem Jubel durchbrochen.

Es ist ein besonderer Abend, den die Geistalschule, Referendar Maximilian Schoenauer, Slampoet und Workshopleiter Bas Böttcher und vor allem die Schüler dem Publikum und einander bereiten. Im letzten Moment haben sich die Jugendlichen entschieden, die Zuschauer per Applaus über die Texte abstimmen zu lassen. Unter all den grandiosen Beiträgen, die von Rassismus, dem Auszug aus dem Elternhaus, Kampfgeist, schmutziger Wäsche, Traumerfahrungen und Filmen über Dinosaurier handeln, setzen sich am Ende die Texte von Kathrin Ziehn (16) und Smila Blüm (15) durch.

„Menschen sind verschieden. Und das ist normal.“

Messerscharf analysiert Kathrin die Absurdität der Kategorie „Normal“ und hält damit ein Plädoyer für die Andersartigkeit, die Verschiedenheit von Menschen, die am Ende das eigentlich Normale ist: „Wir werden genormt, in Formen gepresst. Sollten wir nicht lieber wir sein dürfen? Menschen werden nicht geboren, um normal zu sein. Menschen sind verschieden. Und das ist normal.“

Smila gibt tiefe Einblicke in die Kunst der Alltagsmaskerade: „Ich spiele Theater – und das leider nicht nur auf der Bühne. Und am Ende bin ich doch nur Zuschauer meiner Selbst und applaudiere bis zum Schluss.“

Bis zum Schluss applaudierten auch die Gäste im Buchcafé. Für die Schüler und ihre reifen, humorvollen und pointierten Texte. Für die GSG Rock & Acoustic Band, die den Abend musikalisch begleitete. Für all jene, die das Projekt möglich gemacht haben. Und vor allem für inspirierende Kunst.

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