20-Jähriger gesteht Vergewaltigung der Ex-Freundin

Eifersucht und Wut als Tatmotiv

Fulda. „Ich weiß heute selbst nicht, was damals in mich gefahren ist“, sagte der 20 Jahre alte Angeklagte leise. Vor dem Landgericht Fulda räumte er gestern ein, er habe im Oktober 2009 seine damalige Freundin in seiner Wohnung in Bebra mehrere Tage lang verprügelt und an einem Abend zweimal vergewaltigt.

Der 20 Jahre alte Straßenbauer aus Ludwigsau, der sich seit vergangener Woche vor dem Landgericht verantworten muss, schilderte die Taten ruhig und distanziert – „manchmal ein bisschen zu cool“, wie Michaela Kilian-Bock, Vorsitzende Richterin der Zweiten Strafkammer, kommentierte. Man spürte aber, wie schwer es dem Angeklagten fiel, sich vor dem Gericht und seinen Eltern, die die Verhandlung verfolgten, zu erklären. Die Finger, die einander ständig kneteten, und fast ununterbrochen wippende Füße zeigten, dass der 20-Jährige innerlich nicht so ruhig war, wie er sich nach außen gab.

Im Juni 2009, vier Monate, nachdem er seine frühere Freundin bei einem Verkehrsunfall getötet hatte, lernte er eine neue Freundin kennen. Nach einem gemeinsamen Urlaub auf Ibiza kam es immer öfter zum Streit. Nicht zuletzt durch seinen hohen Drogenkonsum reagierte er auch beim Streit um Nichtigkeiten gereizt.

Das erste Mal eskalierte der Streit im September 2009: „Ich schlug ihr mehrfach ins Gesicht, schlug sie mit dem Kopf gegen den Bettrahmen und würgte sie“, berichtete er. Danach ließ sich die Freundin einen Monat lang in der Psychiatrie des Klinikum Bad Hersfeld stationär behandeln. Nach seiner Schilderung signalisierte sie ihm, dass sie von ihm los wollte, aber auch, dass sie ihn noch liebte.

Das junge Paar blieb zusammen wohnen. Mitte Oktober verlor er in der Wohnung in Bebra völlig die Kontrolle über sich. Bekannte hatten ihm erzählt, seine Freundin habe ihn mit einem Patienten der Psychiatrie betrogen. Als er sie würgte, sie mit dem Kopf gegen die Wand schlug und sie daraufhin das angebliche Verhältnis einräumte, schlug und würgte er sie so heftig, dass sie zeitweise das Bewusstsein verlor. „Es war alles wir im Rausch. Ich wollte meine Wut über sie rauslassen“, erklärte der Angeklagte seine Handlung. Hier sei so viel Gewalt ausgeübt worden, dass man fast von einem versuchten Totschlag sprechen müsse, sagte Richterin Kilian-Bock.

Auch den Hauptvorwurf räumte der Angeklagte voll umfänglich ein: Aus Zorn über die vermeintliche sexuelle Untreue seiner Partnerin und um die Freundin zu bestrafen, habe er sie an dem gleichen Abend Mitte Oktober, als er sie bereits verprügelt hatte, zweimal zum Sex gezwungen. „Ich schäme mich für das, was ich getan habe“, sagte der 20-Jährige.

Das Gericht kündigte an, auf weitere Zeugen zu verzichten. Am nächsten Dienstag werden die Jugendgerichtshilfe und der medizinische Sachverständige zu Wort kommen.

Von Volker Nies

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