Montagsinterview mit Klimaschützer Guido Spohr zur Hersfelder Energiemesse

Auf Effizienz kommt es an

Noch ist die Schilde-Halle leer. Doch am Wochenende wird sich Klimaschutzbeauftragter Guido Spohr hier bei den 3. Bad Hersfelder Energie- und Klimatagen über eine Rekordbeteiligung bei den Ausstellern freuen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. So gut wie ausgebucht sind die 3. Bad Hersfelder Energie- und Klimatage, die am kommenden Wochenende erstmals in der Schilde-Halle stattfinden. Unsere Zeitung sprach mit dem städtischen Klimaschutzbeauftragten und Mitveranstalter Guido Spohr über die Anziehungskraft der Ausstellung und die Windkraft-Diskussion.

Herr Spohr, angenommen ich hätte eine ganz tolle Neuheit anzubieten. Bekäme ich noch einen Ausstellungsplatz in der Schilde-Halle?

Guido Spohr: Also, wir hätten noch ganz kleine Möglichkeiten im Außenbereich. Die Anfrage müsste sehr kurzfristig sein, da organisatorische Dinge geklärt werden müssten.

Andersherum gesagt: Die Nachfrage bei den Ausstellern war also wieder richtig gut.

Spohr: Wir haben aktuell einen Ausstellerrekord mit fast 60 Ständen.

Die Energie- und Klimatage sind eine etablierte Veranstaltung und finden jetzt zum dritten Mal statt. Wie groß ist mittlerweile das Einzugsgebiet?

Spohr: 70 Prozent der Aussteller kommen aus der Region Hersfeld-Rotenburg. Dies zeigt Treue und Wertschätzung gegenüber der Veranstaltung. Weiterhin wollen wir auch die Stärke der Unternehmen vor Ort zeigen. 30 Prozent der Unternehmen kommen aus ganz Hessen oder auch Thüringen.

Was werden diesmal die Schwerpunkte sein?

Spohr: Kernangebote bleiben das Handwerk für Sanierung und Modernisierung im Bereich der Energieeffizienz. Ein weiterer Schwerpunkt sind die neutralen Beratungen, für die es immer eine immens hohe Nachfrage gibt. Das ist das klassische Repertoire, das wir diesmal anreichern, beispielsweise mit neuen Heizungstechniken. Stichwort: Infrarot, Gas-Wärmepumpe der Mikro-BHKW. Auch für Elektromobilität und Energiemonitoringsysteme schärfen wir das Bewusstsein.

Hier in der Stadt werden energetische Nachbesserungen durch das Förderprogramm „Bad Hersfeld saniert sich“ unterstützt. Läuft das in Zeiten leerer Kassen eigentlich weiter?

Spohr: Es ist nicht geplant, das Projekt in diesem Jahr zu begraben. Es kann also jeder noch Anträge stellen. Da jedoch eine leichte Sättigung eingetreten ist, ist ab 2015 vorgesehen, das Programm auslaufen zu lassen.

Als Sie vor fünf Jahren in Bad Hersfeld mit Ihrer Arbeit begonnen haben, wurde Aufbruchsstimmung verbreitet. Mancher sah schon eine Stadt, die ihren Energiebedarf komplett aus erneuerbaren Quellen deckt. Wie passt das zur Diskussion über die Windkraftanlagen auf dem Wehneberg? Und wo stehen Sie in diesem Konflikt?

Spohr: Die Windkraft-Diskussion und deren Verlauf, sehe ich kritisch. Sie hat extrem deutlich gemacht, wie schwer die Energiewende vor Ort zu kommunizieren und zu praktizieren ist. Meine Aufgabe war es, im Prozess beratend zur Seite zu stehen und Hintergrundinformationen heranzuholen, um alle Seiten beleuchten zu können. Nicht um zu sagen, alles ist wunderbar und toll, sondern, auch um zu zeigen: Wenn die Anlagen kommen, dann knackt es an dem einen oder anderen Punkt. Deswegen bin ich mir auch sicher, dass die Mediation des Landes richtig war. Persönlich halte ich mich an Ulrich von Weizsäcker, der 2012 gesagt hat: Nicht der reine Ausbau erneuerbarer Energien ist intelligent, die Energieeffizienz ist die Basis unseres Tuns. Und das zu vermitteln, ist auch meine Aufgabe hier in Bad Hersfeld. Deswegen gibt es auch den E-Punkt als Anlaufstelle.

Ein Tipp für die Ausstellung, was fällt dort aus dem Rahmen?

Spohr: Wir präsentieren zwei innovative Projekte. Einerseits geht das Kooperationsprojekt mit der Fa. Siemens im Bereich der kommunalen Liegenschaften zügig voran, es trägt erste Früchte. Und im Rahmen der Wirtschaftsförderung tut sich auch was. Das wird aber heute noch nicht verraten.

Von Karl Schönholtz

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