Historisches Rathaus gehört einem Privatmann, der Aufgang davor der Marktgemeinde

Ein echter Treppenwitz

Die Marktgemeinde Philippsthal hatte im Jahre 2008 das alte Rathaus zu einem symbolischen Preis an den Zahnarzt Metin Akkoyun (Mitte) verkauft. Damals waren alle Beteiligten davon ausgegangen, dass auch die Treppenanlage, auf der der Zahnarzt sowie Bürgermeister Ralf Orth (links) und sein Vorgänger, Hartwig Klotzbach, stehen, Teil des Geschäfts gewesen ist. Doch das stellte sich als Trugschluss heraus. Bei Treppe und Haus handelt es sich um zwei unterschiedliche Grundstücke. Foto: Reymond

Philippsthal. Das alte denkmalgeschützte Rathaus der Marktgemeinde aus dem Jahre 1913 ist mittlerweile ein wichtiger Baustein der ärztlichen Versorgung in Philippsthal. Zahnarzt Metin Akkoyun führt dort seit 2010 seine Praxis für Zahnimplantologie.

Denkmalschutz

„Wir standen im Jahr 2007 vor der Entscheidung, das Gebäude unter den Auflagen des Denkmalschutzes für viel Geld zu sanieren, suchten aber gleichzeitig einen Investor. Wir waren froh, dass Herr Akkoyun zu dieser Investition bereit war. Das hat uns viel Geld erspart, zudem die Gemeinde keine Möglichkeit zur Nachnutzung für das seit Jahren leerstehende Gebäude hatte“, erklärt der damalige Bürgermeister Hartwig Klotzbach.

Das alte Philippsthaler Rathaus wurde also im Jahre 2008 von der Gemeinde verkauft. Doch nicht so ganz. Der sanierungsbedürftige Treppenaufgang zum Rathaus gehört noch immer der Kommune. Denn nach den neuesten Kartenauszügen des Amtes für Bodenmanagement in Homberg/Efze stehen Rathaus und Treppe auf zwei unterschiedlichen Flurstücken. Das war den Vertragspartnern seinerzeit entgangen.

„Ich habe also im Jahre 2007 das Rathaus samt Treppe zum Verkauf angeboten. Wer konnte denn davon ausgehen, dass der einzige Zugang zu dem Gebäude nicht zum Ensemble gehört?“, führt Klotzbach weiter aus.

Nach dem Ausscheiden Klotzbachs aus dem Amt hatte dessen Nachfolger Ralf Orth den Verkauf des Komplexes endgültig über die Bühne gebracht. „Das war ein laufender Vorgang, ich habe mich auf die Vorarbeiten verlassen, das war ein Fehler. Auch der Notar hatte ja grünes Licht gegeben“, berichtet der neue Bürgermeister.

Dass er sowohl Haus und Treppe zu einem symbolischen Preis von der Gemeinde übernommen hatte, davon war seinerzeit auch Metin Akkoyun ausgegangen. Er sanierte den mehr als maroden Komplex für viel Geld und richtete dort seine Praxis ein. Auch an der Treppe ließ er bereits Arbeiten ausführen – ganz im Glauben, der Eigentümer zu sein.

Sanierung im Frühjahr

Gemeinsam mit dem neuen Eigentümer des Rathauses und der Denkmalbehörde sucht die Gemeinde nun nach einer Lösung. Um die Sanierung kommt die Kommune dabei aber nicht herum. „Das wollen wir in diesem Frühjahr in Angriff nehmen. Wie es dann mit der Treppe weitergeht, müssen wir sehen. Herr Akkoyun benötigt sie als Zugang zum Rathaus auf jeden Fall“, erklärt Orth.

Landkreis war Eigentümer

Die Rathausstraße vor dem Gebäude ist übrigens eine Kreisstraße. Sie wurde im Jahr 2007 saniert. Jahrzehntelang war der Landkreis somit Eigentümer der Treppenanlage, die jedoch von der Gemeinde auf eigene Kosten gepflegt und unterhalten wurde.

Die ganze Sache mit den beiden Flurstücken war jetzt öffentlich geworden, nachdem das Amt für Bodenmanagement aufgrund einer Vereinbarung zwischen der Marktgemeinde mit dem ehemaligen Amt für Straßen- und Verkehrswesen Eschwege aus dem Jahr 2006, die Flächen in 2010 und 2011 neu vermessen hatte und das Flurstück „Treppe“ aufgrund dieser Vereinbarung in das Eigentum der Marktgemeinde übergegangen ist.

Von Mario Reymond

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