Gewerkschafter Klaus Schüller tritt oft lautstark für die Arbeitnehmerinteressen ein

Ein echter Charakterkopf

„Ich war schon immer gegen Ungerechtigkeit“, erklärt Klaus Schüller, DGB-Gewerkschaftssekretär und seit zwei Jahren auch Vorsitzender des Kreisverbands Hersfeld-Rotenburg. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Wenn Klaus Schüller sich über „die Cowboys von Amazon in Amerika“ echauffiert oder die gierigen „Nadelstreifenträger“, ist er in seinem Element. Der langjährige DGB-Gewerkschaftssekretär und Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Hersfeld-Rotenburg hat sich nicht nur bei den für einen Tarifvertrag streikenden Amazoniern längst einen Namen gemacht. Manch einer sieht in dem Charakterkopf gar den Gernot Hassknecht des DGB.

Aufgewachsen ist Schüller in der ehemaligen DDR, in Thüringen. Nach der Lehre zum Werkzeugmacher mit 16 Jahren ging er zur Deutschen Reichsbahn. „Eigentlich wollte ich Lokführer werden, wie mein Vater“, erzählt Schüller. Seine Farbenblindheit machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung.

1992 kam er schließlich als Quereinsteiger, wie er selbst sagt, zum Deutschen Gewerkschaftsbund. Ob Metaller oder Beamte und ihre Interessen, Schüller hat sie alle im Blick.

Der Gewerkschafter alter Schule weiß, was harte Arbeit ist, und auch in seinem neuen Job hat er mit zahlreichen Abend- und Wochenendterminen mehr als genug zu tun. „Die Gewerkschaftsmitglieder bezahlen mich und da bin ich natürlich immer für sie da“, sagt Schüller pragmatisch.

„Manchmal muss es raus“

„Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“, erklärt der Gewerkschafter seine temperamentvollen Auftritte schmunzelnd. „Und manchmal muss es einfach raus.“

Themen gibt es genug, die ihn umtreiben. „Uffreechen“ könnte sich Schüller beispielsweise über den Leistungsdruck, der heute in der Arbeitswelt herrsche, die ständige Erreichbarkeit, ganz abgesehen von Tarifflucht und befristeten Arbeitsverträgen. „Der Billiglohnsektor ist die Büchse der Pandora, da könnte ich wahnsinnig werden!“, erhebt Schüller die Stimme und gibt zu: „Ich kann auch mal wütend werden.“

Auch mit SPD-Urgestein Franz Müntefering habe er sich schon „in der Wolle gehabt“. Aber geschenkt gebe es schließlich nichts. „Ich bin schon immer gegen Ungerechtigkeit gewesen und habe mich auch in der Schule für andere eingesetzt“, sagt der Gewerkschafter. Ein Sozialromantiker sei er aber nicht, wehrt er sich energisch gegen solche Kritik.

Doch Schüller, der wegen seines Gewerkschaftsjobs seit 20 Jahren eine Wochenend-Ehe führt, kann auch leise. Einen schweren Schicksalsschlag musste der 63-Jährige vor zehn Jahren einstecken, als seine an Kreditschulden für eine „Schrottimmobilie“ verzweifelte Tochter Selbstmord beging. Aber auch das wollte Schüller nicht kampflos hinnehmen. Nachdem seine Versuche, mit Hilfe hochrangiger Politiker den Verbraucherschutz zu stärken, ins Leere liefen, rief er eine Stiftung ins Leben, die Menschen mit ähnlichem Schicksal Unterstützung bieten sollte. „Leider läuft das nicht so wie gehofft“, berichtet Schüller, und er habe feststellen müssen: „Ich kann die Welt nicht retten.“

Vom Versuch, sie ein bisschen besser zu machen, lässt er sich trotzdem nicht abbringen. Zur Person

Von Nadine Maaz

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