Von echten und vermeintlichen Problemen

Kai A. Struthoff

Was mit viel Rückenwind begann, endet als laues Lüftchen. Die Mediationsrunde zum umstrittenen Windkraft-Projekt auf dem Wehneberg schloss mit einer flauen Stellungnahme, aus der jeder lesen mag, was er will. Gewiss, viel mehr war wahrscheinlich von dieser Runde auch nicht zu erwarten. Dazu waren die Interessen der Gesprächsteilnehmer einfach zu unterschiedlich. Die vage Option, die Zahl der geplanten Windräder von acht auf sechs zu reduzieren, kann für die Gegner des Projekts kein Kompromiss sein, denn die Eingriffe in die Natur im Stadtwald bleiben bestehen.

Dennoch: Es war sicher gut, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und miteinander zu reden. Die aggressive Grundstimmung in der Stadt mag dadurch etwas verbessert worden sein. Jetzt haben die Stadtverordneten wieder das Wort. Die Erwartungen und die Verantwortung sind nach der Mediation bestimmt nicht kleiner geworden. Sollten die Windanlagen wie geplant genehmigt werden, dann könnten schon im Februar die Rodungsarbeiten im Stadtwald beginnen.

Für Diskussionen hat unser Beitrag über die kleine Hersfelder Gasse Ransen hinter der City Galerie in Bad Hersfeld gesorgt. Wie berichtet fordern einige Anwohner dort mehr Licht, mehr Papierkörbe und eine angemessene Prävention. Diese Meinung teilen aber nicht alle Ransen-Bewohner. Eine ältere Dame, die dort schon seit vielen Jahren wohnt, sagte mir, sie lebe dort sehr gern und sehe keinen Handlungsbedarf. Außerdem sei schließlich jeder Eigentümer selbst für den Zustand seiner Immobilie verantwortlich. Wie so oft im Leben gibt es zu allem zwei Meinungen. Dennoch soll sich am Ransen schon bald etwas tun. Die Bäckerei Gerlach, die um die Ecke ihr Mutterhaus hat, will umbauen und von diesen Arbeiten soll dann das ganze Quartier profitieren.

Profitieren sollten eigentlich auch die Anwohner der kleinen Straße Am Steffen am Bad Hersfelder Wendeberg. Dort ist im vergangenen Jahr die Fahrbahn grunderneuert worden. Doch kurz vor Weihnachten erfuhren die Anwohner von einer gar nicht so schönen Bescherung: Weil im Zuge der Arbeiten dort auch neun Stützmauern der Straße am Hang erneuert werden mussten, sollen sie kräftig zur Kasse gebeten werden. Wir hören von Beträgen von um die 50 000 Euro, die einzelne Anwohner im Zuge einer Umlage bezahlen sollen – und das, obwohl ihre Immobilien oft kaum sehr viel mehr wert sind. Rechtlich scheint das wohl korrekt zu sein – aber ist es deshalb auch richtig?

Ganz andere Probleme beschäftigen derzeit den Magistrat. Stadtrat Valentin Wettlaufer rief mich vergangene Woche an und sagte, das Gremium habe darüber diskutiert, ob denn die Hersfelder Zeitung mit ihrem neuen Verlagshaus nun im (wie wir schreiben) oder nicht vielmehr doch am Schilde-Park residiere. Hallo? Na, vielleicht einigen wir uns darauf, dass wir jetzt im Herzen der Stadt und des Kreises sind. Wo die Zeitung hingehört! Ich freue mich jedenfalls, dass der Magistrat in turbulenten Zeiten offenbar keine anderen Probleme hat.

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