Wilde Verfolgungsjagd auf der B 27: Zwei Jahre Jugendstrafe für jungen Hersfelder

Mit 200 durch Mecklar

Bad Hersfeld. Er war betrunken. Er hatte keinen Führerschein. Er stand unter Bewährung. Und dennoch setzte sich ein 20 Jahre alter Hersfelder am frühen Morgen des 31. Juli vergangenen Jahres ans Steuer des Autos seines Cousins und fuhr Richtung Bebra.

Das Ergebnis: Eine wilde Verfolgungsjagd auf der B 27 mit der Polizei, bei der es mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern durch die Ortschaften ging, und am Ende ein Unfall mit Verletzungen und Totalschaden am Pkw.

Weil der Russlanddeutsche erst vier Monate zuvor wegen eines ähnlichen, aber nicht ganz so spektakulären Verkehrsdelikts zu zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden war, hatte das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Rolf Schwarz diesmal keinen Grund mehr, Nachsicht zu üben. Mit zwei Jahren Jugendstrafe, inklusive des vorherigen Urteils, fiel das Urteil sogar noch deutlich höher aus als von Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragt.

Tatsächlich war es nur dem Zufall und der nächtlichen Stunde zu verdanken, dass bei der Raserei des Hilfsarbeiters niemand ernsthaft zu Schaden kam. Denn schon auf der Fahrt nach Bebra hatte der 20-Jährige den Pkw eines Thüringers beim Überholen an Tür, Spiegel und Kotflügel gestreift. Der Geschädigte hatte daraufhin die Verfolgung aufgenommen und über Handy die Polizei informiert. Zunächst ging es dann kreuz und quer durch die Bebraer Innenstadt, ehe der Hersfelder wieder auf die Bundesstraße zurück Richtung Heimat fuhr.

Nun aber hatte er eine Polizeistreife aus Rotenburg im Nacken. Mit geschätzten 200 km/h ging es durch Mecklar. Am Ortseingang von Friedlos erwischte die dort installierte Blitzanlage den Hersfelder mit exakt 155 km/h.

In der Ortsdurchfahrt überholte er einen weiteren Pkw, so dass eine entgegenkommende Streife der Hersfelder Polizei wohlweislich an den rechten Fahrbahnrand auswich. „Unser Auto hat gewackelt vom Windzug, und mir stand der Schweiß auf der Stirn,“ beschrieb einer der Ordnungshüter das Bedrohliche dieser Situation.

Kurz vor Hersfeld krachte der Russlanddeutsche dann in die Leitplanken. Sein Cousin, mit dem der Angeklagte am Abend eine Kiste Bier und eine Flasche Wodka gebechert hatte (Blutalkoholwert bis 2,4 Promille), wollte von der wahnwitzigen Fahrt auf dem Beifahrersitz nichts mitbekommen haben. Er habe seinen Rausch ausgeschlafen und sei erst wieder zu sich gekommen, als er nach dem Unfall mit Handschellen gefesselt auf der Straße lag, sagte der 21-Jährige vor Gericht.

Von Karl Schönholtz

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