Bad Hersfelder Festspiele 2012 : Der Name der Rose bietet wieder spektakuläre Bilder

Düstere Glaubensfragen

Hat Christus gelacht? Im Scriptorium des Klosters diskutieren die Mönche diese und andere Grundsatzfragen des Glaubens. Fotos: Iko Freese/drama-berlin

Bad Hersfeld. Am Ende steht ein Feuerinferno, das der Apokalypse gleicht: Flammen schlagen aus den Fenstern der Apsis, die Stiftsruine ist in Rauchschwaden gehüllt.

Regisseur und Festspiel-Intendant Holk Freytag kreiert in „Der Name der Rose“ nach dem gleichnamigen Roman von Umberto Ecco monumentale Bilder. Die machen auch in der zweiten Spielzeit die besondere Faszination des Stückes aus.

Rund 19 000 Zuschauer sahen in der Saison 2011 Klaus J. Frankls Bühnenfassung des Kirchenkrimis, der sich wie kaum ein anderes Stück in die Kulisse der Stiftsruine einfügt (Bühne: Diana Prähler, Licht: Henrik Forberg). Mit gleichem Konzept und nahezu unveränderter Besetzung geht es nun in die zweite Spielzeit.

Die Geschichte um den Franziskanermönch William von Baskerville (Bernd Kuschmann) und seinen Adlatus Adson von Melk (Vyril Sjöström), die zwischen düsteren Klostermauern rätselhaften Morden auf den Grund gehen, hat nichts von ihrer Faszination verloren.

Dabei bietet die Inszenierung weit mehr, als bloßen Krimistoff. Denn wenn der blinde Seher Jorge von Burgos (Emanuela von Frankenberg) Aristoteles zweites Buch der Poetik als Teufelswerk gewaltsam unter Verschluss hält, geht es auch um Grundsatzfragen des Glaubens.

Bei den Disputen über die richtige Auslegung der Lehre Jesu und angesichts der Vielzahl der Handlungsstränge und Kuttenträger (Kostüme: Michaela Barth) fällt es mitunter schwer, die Handlung vollständig zu überblicken.

Vom geheimnisvollen Mädchen (Andrea Cleven) über den grausamen Inquisitor Bernado Gui (Markus Gertken) bis hin zu den Klosterbrüdern – auch in der Spielzeit 2012 überzeugt das Ensemble durchweg. In diese Gesamtleistung fügt sich Nikolaus Kinsky in der Rolle des Michael von Cesena als einzige Neubesetzung ein. Publikumslieblinge sind offensichtlich Lars Weström als kauziges Sprachgenie Salvatore und Uwe Schmieder als greiser Alinardus von Grotoferrata.

Ob als bettelndes Volk oder als Mönchschor (Leitung: Helgo Hahn) – einen nicht unwesentlichen Beitrag zum stimmigen Bild steuert auch die Masse der Statisten bei.

Das Publikum bedachte die Leistung des Ensembles mit langanhaltendem Schlussapplaus.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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