Spendencontainer werden häufig nicht von gemeinnützigen Organisationen aufgestellt

Dubiose Kleidergeschäfte

Auf dem Altkleidercontainer an der Sternerstraße fehlen Hinweise darauf, wer den Container aufgestellt hat. Die Kindersuchhilfe (kleines Foto) stellt gegen Geld ihren Namen zur Verfügung. Fotos:  Deppe

Bad Hersfeld. Man kann wirklich nicht behaupten, dass sie das Stadtbild verschönern. Trotzdem stehen Altkleidercontainer vielerorts an den Straßen. Doch häufig dienen die weißen Kästen nur scheinbar einem guten Zweck.

An der Sternerstraße steht seit Anfang Dezember ein solcher Container mittig auf einer Grünfläche. Anwohner wundern sich nicht nur über den Standort, sondern auch darüber, dass es an Hinweisen auf eine gemeinnützige Organisation fehlt. Lediglich zwei Aufkleber finden sich auf der Vorderseite. Während einer über die korrekte Benutzung des Containers informiert, wirbt der zweite für die Kindersuchhilfe, einen Aschaffenburger Verein, dessen Seriosität nach kurzer Internetrecherche in Frage gestellt werden kann.

Gewerbliche Partner

Auf ihrer Homepage weist die Organistaion darauf hin, dass die Sammelaktionen „von gewerblichen Partner-Unternehmen durchgeführt“ werden. Auf Nachfrage der HZ nannte Kurt Schloter, Vorstandsvorsitzender der Kindersuchhilfe, einen Einzelunternehmer, der am Telefon zwar jede Verantwortung abstreitet, aber auf ein weiteres Unternehmen verweist. Dort war jedoch über mehrere Tage niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Im Internet sieht sich das Unternehmen negativer Kritik an seiner Vorgehensweise ausgesetzt. Kurt Schloter bestätigte, dass der Verein finanzielle Aufwendungen vom Betreiber erhält. Das legt die Vermutung nahe, dass sich Einzelunternehmer so mit dem Namen einer Hilfsorganisation schmücken, um auf diese Weise den Eindruck einer karitativen Tätigkeit zu vermitteln.

Sicher ist, dass nicht jede der Spenden aus dem Altkleidercontainer einem guten Zweck zugeführt wird. Für die Betreiber ist der Verkauf an Weiterverarbeitungsunternehmen, beispielsweise an Polsterunternehmen, finanziell lukrativ.

Privates Grundstück

Der Container an der Sternerstraße hat trotzdem eine Berechtigung. Da es sich bei der Grünfläche um privaten Boden handelt, reicht zum Aufstellen die Erlaubnis des Grundstückeigentümers. „Da kann man nichts machen“, sagt Walter Stück vom städtischen Bauverwaltungsamt. Nur auf öffentlicher Fläche müssten Genehmigungen eingeholt werden, die die Stadt jedoch prinzipiell nicht vergibt – aus städtebaulichen Gründen.

Kleiderspende zum DRK

Wer sichergehen will, dass seine Kleiderspenden ordnungsgemäß Hilfsprojekten zugeführt werden, sollte sich an die bekannten gemeinnützigen Organisationen wenden. Das Deutsche Rote Kreuz hat beispielsweise in der Region 14 Container aufgestellt (siehe Hintergrund). In Bad Hersfeld können Kleiderspenden zudem im Kleiderstübchen, Benno-Schilde-Straße 13, abgegeben werden.

Von Lasse Deppe

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