Ausstellung „Keine Zeit zum Umziehen“von Ila Wingen

Der Druck, immer und überall perfekt zu sein

Ila Wingen neben einem ihrer Werke: Es vereint viele ihrer Techniken, die Vielschichtigkeit ihres Stils, die farbliche Ausdruckskraft ihrer Kunst. Foto: Pistor

Bad Hersfeld. „Kunst soll berühren und Kunst zum Berühren“ – unter diesem Motto steht die Ausstellung der bildenden Künstlerin Ila Wingen aus Berlin im Bad Hersfelder Museum im Stift ab morgen.

Wingen möchte eine intime Atelieratmosphäre schaffen, in der die Besucher mit dem Bild interagieren, es anfassen, es emotional erleben können. Gleichzeitig wird diese Intimität mit der Kunst der Distanz, die Menschen an öffentlichen Schauplätzen – wie etwa einem Museum – eher rational erleben, gegenübergestellt. „Beide Wirklichkeiten begegnen sich“, sagt die Künstlerin. Deshalb sei diese Ausstellung etwas Besonderes.

Der Titel des Events, „Keine Zeit zum Umziehen“, bezieht sich auf den Druck der Gesellschaft, möglichst immer und überall perfekt zu sein,sich vor dem Ausgehen hübsch zu machen, Fehler zu verbergen. Wingens Ausstellung hingegen fokussiert das Authentische, Direkte: „Die Dinge sind, wie sie sind, und wir gehen damit um“, meint sie. „Es geht nicht um Oberflächlichkeit, sondern um das, was im Inneren passiert. Ich möchte das Unbewusste ansprechen.“

Intensiv und expressiv

Die Laufbahn der Künstlerin hatte eigentlich mit einem Studium des modernen Ausdruckstanzes in Paris begonnen. Und auch heute noch findet sich das Temperament dieser Ausdrucksform in ihren Gemälden wieder: Wingen arbeitet mal farbintensiv und expressiv, dann wieder sanft, verhalten. Die Motive erscheinen auf der Bildoberfläche dann wie aus einem Nebel heraus.

Sie zeigt Einflüsse aus asiatischer und westlicher Kunst, verwendet verschiedene Techniken und Materialien. Ihr Stil ist so vielschichtig wie ihre Auffassung der Kunst an sich: „Ein Bild hat immer etwas Neues zu erzählen“, findet Wingen.

Mutige Stadt

Die gebürtige Hamburgerin hat bereits in New York, in Paris und in deutschen Großstädten ausgestellt und weiß Bad Hersfeld besonders zu schätzen: „Die Stadt ist mutig und engagiert in Sachen Kunst. Nicht jeder bietet die Möglichkeit einer solchen Zusammenarbeit.“

Die Ausstellung wird am morgigen Sonntag um 11.30 Uhr von Stadträtin Birgit zum Winkel und ARD-Korrespondent Hans Jessen eröffnet und kann bis zum 16. Januar zu den Öffnungszeiten des Museums (Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr) besichtigt werden.

Von Christina Pistor

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