HZ-Montagsinterview zum Probenbeginn mit Festspiel-Pressesprecherin Maren Dey

Der Druck ist immens

+
Sie sorgt dafür, dass die Informationen über die Festspiele nur so sprudeln: Pressesprecherin Maren Dey. Foto: Karl Schönholtz

Bad Hersfeld. Rund um die Stiftsruine beginnen heute die Proben für die 60. Bad Hersfelder Festspiele. Damit geht auch die Öffentlichkeitsarbeit in ihre heiße Phase. Karl Schönholtz und Kai A. Struthoff sprachen darüber mit der Pressesprecherin der Festspiele, Maren Dey.

Frau Dey, Ihre persönliche Lebensweisheit ist ein Satz von Marc Aurel: Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab. Wie sind Ihre Gedanken zum Probenbeginn beschaffen?

Maren Dey: Sehr gut und positiv. Ich freue mich, dass es jetzt richtig losgeht. Die Monate zuvor waren etwas zäh, so ohne Schauspieler. Wir hatten zwar eine Menge zu tun, aber man arbeitete im luftleeren Raum. Jetzt sind Menschen hier, und der Teamgeist entsteht.

Sie sagen, Ihre größte Schwäche sei „zu viel Idealismus“. Kann man in diesem Job überhaupt zu viel Idealismus haben?

Dey: Man muss ihn haben und darf ihn nicht verlieren. Aber dieser Job hat viel mit Selbstausbeutung zu tun.

Während viele Schauspieler schon alte Bekannte in Bad Hersfeld sind, haben die Pressesprecher immer gewechselt. Ist das so ein undankbarer Job?

Dey: Ich habe schon früher als PR-Frau für Festivals gearbeitet und war eigentlich immer länger dabei. Herr Freytag und ich kennen uns privat schon seit 15 Jahren, haben zusammen in Dresden gearbeitet, und wir haben ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis. Das erleichtert meine Arbeit.

Sie haben bisher in Großstädten gearbeitet. Wie ist das jetzt hier bei uns in der Provinz?

Dey: Anders. Ich finde es schön. Jedes Mal, wenn ich aus Berlin hier ankomme, fahre ich erst einmal runter. Es ist ruhiger, aber auch konzentrierter.

Was machen Sie anders als Ihre Vorgänger, um die Festspiele besser zu vermarkten?

Dey: Besser – das will ich mir nicht anmaßen. Alle, die hier bisher gearbeitet haben, haben viel Erfahrung, und ich bin für jeden Ratschlag dankbar. Wir setzen jetzt weniger auf Anzeigen, sondern mehr auf Plakatkampagnen. Damit werben wir in Kassel, Frankfurt, Darmstadt, Offenbach, Erfurt und Eisenach. Ich selbst komme aus dem Rhein-Main-Gebiet, da waren die Bad Hersfelder Festspiele immer bekannt. In den letzten Jahren hat das etwas nachgelassen. Deshalb wollen wir in den umliegenden Großstädten wieder präsenter sein. Plakate hängen mindestens für eine Dekade und wirken oft direkter und länger als Anzeigen.

Sie wollten den Festspielen eine europäische Komponente geben. Wie sieht es damit aus?

Dey: Na ja, immer einen Schritt nach dem anderen. Im Moment läuft das vor allem über unsere Partnertheater von der ETC (European Theater Convention). Wir möchten zu Beginn der Festspiele ein kleines Dossier in drei Sprachen herausgeben, was über die Partner auch an die Presse verbreitet werden soll. Wir wollen außerdem ausgewählte ausländische Journalisten zu den Premieren einladen.

Der Vorverkauf läuft nur träge an. Warum?

Dey: Ja, wenn wir das wüssten...

Ist das beste Marketinginstrument nicht der Spielplan, der Spielplan und der Spielplan?

Dey: Ja, klar. Aber was haben wir da falsch gemacht? Wilhelm Tell und Carmen ist doch wirklich ein populäres Programm. Nur die Sommergäste kennen offenbar viele Leute nicht. Ich wäre trotzdem auf dieses Stück neugierig.

Es ist unterhaltsam, tiefsinnig und wir haben tolle Darsteller. Machen Sie die Vorverkaufszahlen nervös?

Dey: Natürlich! Der Druck ist immens, denn wir müssen Geld einspielen. Wir sind ja nicht voll subventioniert.

Auch sonst holpert es ein wenig. Die Besetzungen haben sich lange hingezogen, im Tell mussten Sie umbesetzen. Sind das normale Startschwierigkeiten, oder haben Sie sich vielleicht etwas viel vorgenommen?

Dey: Festspiele haben eigene Gesetze, die wir vielleicht etwas falsch eingeschätzt haben. Allein das Zeitfenster, in dem Schauspieler verfügbar sind, ist eng. Wenn hier die Proben beginnen, sind viele Schauspieler noch in festen Engagements. Wer berühmt ist, muss auch Lust auf Bad Hersfeld haben. Im Musical-Bereich kriegt man hier jeden, den man haben will, weil Hersfeld so einen guten Namen hat. Im Schauspiel ist das leider nicht mehr so.

Kulturjournalisten sagt man oft nach, sie seien verkrachte Künstler. Wie ist das denn bei den Kultur-Öffentlichkeitsarbeitern?

Dey: (lacht) Ein bisschen ist das wohl auch so. Als Teenager wollte ich mal Schriftstellerin werden. Und ich habe intensiv Ballett und Tanz gemacht. Aber es hätte wahrscheinlich nur für eine drittklassige Kompanie gereicht. Deshalb habe ich mir das zum Glück verkniffen und lieber Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studiert.

Hätten Sie denn aber eine Lieblingsrolle?

Dey: (denkt nach) Vielleicht die Antigone. (Im griech. Mythos die Tochter der Ödipus, die Ethik und Gottesgesetze über weltliche Macht stellt. Die Red.)Die Rolle passt wahrscheinlich zum zu großen Idealismus... † Zur Person

Kommentare