Der Großmeister des Schlagers backstage vor seinem Auftritt beim Lollsfest

Drei Minuten Guildo Horn

Durch die Schlagerbrille sieht man besser: Guildo Horn kam im edelsten Siebziger-Jahre-Zwirn zum Lullusfest. Für den Schlagersänger war es der erste Besuch in der Festspielstadt. Fotos: Hempel

Bad Hersfeld. Wer ein Meister ist, macht sich rar. So hielt es auch der schrille Meister der Schlagermusik am Lollsdonnerstag. Hunderte von Lullusfestbesuchern tummelten sich auf dem Linggplatz, wo Guildo Horn um 20.15 Uhr die Bühne betreten sollte. Gegen 20.20 Uhr trudelte Deutschlands berühmtester Nusseckenliebhaber ein, gekleidet bis zur Parodie, mit karierter Hose, brauner Lederjacke, mutig gemustertem Pullunder, knalligem Hemd und darauf abgestimmter Sonnenbrille.

„Öhm“, sagt der 48-Jährige, „Zeit habe ich jetzt eigentlich nicht mehr“. Dann fängt Guildo Horn, der eigentlich Horst Köhler heißt, doch noch an zu plaudern.

Waren Sie schon mal in Bad Hersfeld?

Guildo Horn: Ich glaube schon, ich bin oft vorbeigefahren, sehr oft vorbeigefahren, und heute mal richtig reingefahren.

Sie haben mal gesagt, dass sie eine Gegend am Geschmack der jeweiligen Nussecken beurteilen...

Horn: Ich habe hier noch keine gegessen, aber die Bratwurst war hervorragend.

Eine Nussecke zum Gleichessen lehnt er ab. „Ich werde des Öfteren auf der Bühne mal mit einer Nussecke gefüttert, aber das ist nichts fürs Singen, das ist etwas für die Freizeit.“

Haben Sie Nussecken satt?

Horn: Nee.

Nervt es, als Spaßonkel abgestempelt zu werden?

Horn: Ich bin doch ein Spaßonkel.

Sie sind doch ein ernstzunehmender Mensch, oder?

Horn: Ich weiß es nicht. Ich habe mich nie sehr ernst genommen. Leute, die sich ernst nehmen, halte ich immer für etwas gefährlich. Nehmen Sie sich ernst?

Nicht allzu oft.

Horn: Gut.

Sind Sie lieber Guildo Horn oder Horst Köhler?

Horn: Also im Moment Guildo Horn, weil ich auf Arbeit bin. Später wieder Horst Köhler.

Wo ist der Unterschied zwischen den beiden?

Horn: Ja, das ist die Frage. Guildo Horn hat eine Glatze und einen Bauch.

Und der andere?

Horn: Der sieht super aus.

Hat Ihre Freundin schon mal was zu Ihren Haaren gesagt?

Horn: Die findet sie toll, die liegen gut, ja.

Die sind ein bisschen so wie meine.

Horn: Ja, nur anders.

Und weniger.

Nach drei Minuten verabschiedet sich Guildo Horn. Die Bühne ruft. Das Lollspublikum jubelt, als der Meister loslegt. Wer den Schlagerstar in Bestform sehen wollte, war nicht umsonst da – aber kostenlos: Spendiert hat das Konzert der Autohändler „Schade und Sohn“ zum 111-jährigen Firmenjubiläum.

Von Claudia Hempel

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