Angehende Köche zeigen beim Prüfungsessen, was sie in der Ausbildung gelernt haben

Drei Gänge zum Schluss

Sie ist endlich bei der Nachspeise angekommen: Die angehende Köchin Lisa Nölke richtet den letzten Gang des Menüs an, mit dem sie beim Prüfungsessen ihre dreijährige Ausbildung abschließt. Foto: Poppe

Bad Hersfeld. Dreimal sind die Eltern und Geschwister von Lisa Nölke in den vergangenen Monaten in den Genuss eines aufwendigen Dreigängemenüs gekommen. So oft trainierte die 23-jährige Auszubildende die Zubereitung der Gerichte, mit denen sie in der praktischen Prüfung ihre Lehrzeit als Köchin abschließt. „Meine Familie war sehr geduldig“, sagt die junge Frau leise, lächelt zaghaft und zerlegt dann schnell mit geübten Handgriffen eine rote Paprika auf dem Schneidebrett.

Zusammen mit vier weiteren Auszubildenden muss sie in der Schulküche der Beruflichen Schulen am Obersberg einen Vormittag lang zeigen, was sie gelernt hat. Lachs, weißer Spargel und Lammhaxe, so lauten die Pflichtkomponenten, die die insgesamt 27 Prüflinge vor ein paar Monaten verraten bekamen. Doch zu was sie diese verarbeiten, mussten sie in wenigen Minuten alleine überlegen. „Schnell Entscheidungen treffen, ist eine wichtige Eigenschaft eines Koches“, erklärt Fachlehrer Christian Bräuning. Er ist Teil der vierköpfigen Prüfungskommission, die die Menüs der jungen Köche bewertet.

Nicht nur Geschmack wichtig

„Wir müssen auf alles achten“, erklärt José-Luis Estevers, der Koch im Schlosshotel Prinz von Hessen in Friedewald ist. Nicht nur Geschmack sei wichtig, sondern auch Sauberkeit und nicht zuletzt die Präsentation. „Noch eine halbe Stunde bis zur Vorspeise!“ ruft Christian Bräuning den jungen Köchen zu, die kurz von ihren Arbeitsplätzen aufgucken und einen Blick zur großen Uhr werfen, bevor sie sich wieder konzentriert ihren brodelnden Töpfen und dampfenden Pfannen widmen.

„Viele haben eine falsche Vorstellung von der Ausbildung und denken, sie werden sofort der neue Tim Mälzer“, sagt Benedikt Faust. Als Sternekoch im Restaurant L’étable in Bad Hersfeld weiß er jedoch, dass man für diesen Beruf vor allem Ehrgeiz und Ausdauer braucht. Blickt man in die Gesichter der jungen Köche, die vor Anstrengung immer röter werden, glaubt man ihm besonders Letzteres. Seit acht Uhr morgens wird in der Küche schon gebacken und gebraten. Mittlerweile ist die Luft in dem Raum heiß und erfüllt mit Essensdüften.

„Trilogie von der Erdbeere“ hat Lisa Rüger ihrer Nachspeise genannt. Die 21-Jährige, die im Posthotel Rotenburg lernt, rührt mit der einen Hand in einer silbernen Schüssel mit grünen Bohnen und greift mit der anderen zu einer großen Pfeffermühle. „Ich bin sehr aufgeregt“ gibt sie zu. Dann richtet sie ihre Vorspeise an. „Das ist für die jungen Leute der wichtigste Tag seit drei Jahren“, sagt Benedikt Faust, bevor er mit seinen Kollegen ein Menü nach dem anderen probiert und bewertet.

Das bekommen die Nachwuchsköche allerdings nur am Rande mit, denn draußen im Lehrrestaurant warten schon Gäste, für die sie ihre Menüs zubereiten. Gegen halb drei ist der Nachtisch serviert und Lisa Nölke wischt mit einem nassen Tuch über ihr Brett. „Ich bin so kaputt jetzt, dass ich mich ins Bett legen will“, sagt sie und lacht erleichtert.

An diesem Tag haben alle die Prüfung bestanden.

Von Stefanie Poppe

Kommentare