Die Hersfelder Anton Schönewolf, Jonathan Herr und Janek Fehling singen im „Tell“

Drei, die Mut beweisen

Sind stolz auf ihre Sing-Rollen im „Wilhelm Tell“: (von links) Anton Schönewolf (10), Jonathan Herr (11) und Janek Fehling (12). Foto: Strecker

Bad Hersfeld. Sie beweisen eine Menge Mut, obwohl sie erst zehn, elf und zwölf Jahre alt sind. Jedes Mal, wenn Anton Schönewolf, Jonathan Herr und Janek Fehling aus Bad Hersfeld im „Wilhelm Tell“ auftreten. Beim zweiten Fanfarenklang werden sie von Bühnenarbeitern festgeschnallt und in die Fenster gehievt, wo sie im Dunkeln auf die erste Szene warten. Und wenn endlich die Musiker in Lederhosen ein riesiges Alphorn über die Bühne schleppen, beginnen die Schüler der Modellschule Obersberg zu singen. Vor 1600 Augenpaaren. Ganz alleine.

„Vor allem bei der Premiere war das krass. Ich habe gesungen, höre auf und dann drehen sich alle Köpfe zum nächsten. Das ging richtig: Wusch“, sagt Jonathan Herr und wedelt mit den Händen hin und her. Wenn er über seine Auftritte in der Stiftsruine spricht, wächst er ein bisschen in seinem Stuhl. Genauso wie Anton Schönewolf und Janek Fehling. Für den Zwölfjährigen ist es das erste Mal, dass er solo singt. Und dann gleich mit Mikrofon vor einem so großen Publikum. „Erst war ich nicht aufgeregt, aber wenn ich merke, dass mein Einsatz immer näherrückt, dann geht der Herzschlag plötzlich viel schneller“, sagt Fehling.

Anton Schönewolf dagegen hat schon mehr Erfahrung mit Bühnenauftritten, singt er doch seit Jahren im Stadtchor. Aufregend sei es aber trotzdem gewesen, mit den Schauspielern zu proben. „Die meisten sind sehr nett und grüßen“, sagt er. „Aber kurz vor dem Auftritt darf man sie nicht mehr stören, dann konzentrieren sie sich“, fügt Janek Fehling hinzu und nickt. „Aber einer von denen ist nicht nett, der hat mich gefragt, wer mir erlaubt hat, ihn anzusprechen. Dem bin ich dann aus dem Weg gegangen“, sagt Jonathan Herr. Er tritt nicht nur am Anfang als singender Fischerjunge auf, sondern auch später als Sohn einer armen Bauersfrau.

Dicke Luft bei der Probe

Dass es während der Fotoprobe vor der Premiere des „Wilhelm Tell“ zu Ärger gekommen ist, weil der Regisseur nicht zufrieden war, fanden die Jungen sehr spannend. „Zu uns war Holk Freytag total nett, als wir gefragt haben, ob wir fertig sind. Dann hat er sich umgedreht und hat wieder angefangen zu schimpfen, weil das Feuer beim Rütli-Schwur zu niedrig gebrannt hat“, erinnert sich Jonathan Herr und grinst. Ein paar Schauspieler seien herein gekommen und hätten gefragt: „Ist hier irgendwas los?“ Die Jungen: „Ja, dicke Luft.“ „Da haben sie sich umgedreht und sind wieder raus“, sagt Anton Schönewolf und kichert.

„Es ist schon eine tolle Leistung von den dreien, vor allem, weil sie nicht lange Zeit hatten zum Proben, vielleicht drei Wochen“, sagt Musiklehrerin Silke Pfannkuch von der Modellschule Obersberg. Sie ist sich sicher, dass die Erfahrung bei den Festspielen die Jungen positiv beeinflusst und weiter bringt. Abgesehen von den Erfahrungen wirkt sich das Engagement auch positiv auf das Taschengeldkonto der jungen Hersfelder aus.

Die Gage schon verplant

Für ihre Auftritte bei den insgesamt 17 Vorstellungen bekommt jeder 150 Euro Gage. Und die Schüler haben ihr selbst verdientes Geld schon fest verplant. „Ich werde mir eine Wii-Spielkonsole kaufen. Meine Mutter hat gesagt, ich solle mir ganz genau überlegen, was ich haben will und jetzt weiß ich es“, sagt der elfjährige Jonathan Herr. Aber bis dahin heißt es noch einige Wochen: Rauf auf die Bühne. Und genießen.

Von Judith Strecker

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