3075 Waldhessen sind auf ein Zubrot angewiesen

Drastischer Zuwachs an Zweitjobs im Kreis

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Symbolbild

HERSFELD-ROTENBURG. Immer mehr Menschen im Kreis Hersfeld-Rotenburg arbeiten doppelt: Mittlerweile bessern sechs Prozent aller Arbeitnehmer ihr Gehalt mit einem 450- Euro-Job auf. Laut einer Statistik des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich die Zahl der Minijobber im Nebenjob damit im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt.

Nahmen im Juni 2003 noch 1429 Menschen eine zusätzliche Beschäftigung an, weist die aktuelle Statistik bereits 3075 aus. „Dieser Anstieg entspricht der bundesweiten Entwicklung“, sagt Luzia Kremser, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda. In erster Linie hänge das mit einer Reform aus dem Jahr 2003 zusammen. Seither können Minijobber bis zu 400 Euro verdienen, ohne Steuern und Sozialabgaben zahlen zu müssen. „Zum 1. Januar 2013 wurde die steuerfreie Einkommensgrenze auf 450 Euro angehoben.“

Neben der gestiegenen Konsumlust seien finanzielle Notsituationen für den Anstieg verantwortlich. „Immer mehr Menschen können von dem Lohn für ihre Arbeit nicht leben“, teilte Klaus Schüller, Organisationssekretär für Nordhessen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), jüngst mit. Für sie sei ein Minijob notwendig, da das Geld sonst nicht reiche. „Das muss sich ändern. Die Menschen brauchen Arbeit, die sicher ist und gut bezahlt wird.“ Vor allem im Einzelhandel und in der Gastronomie seien Minijobs verbreitet. „In diesen Bereichen gibt es auch Hinweise auf eine partielle Verdrängung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen“, bestätigt Kremser.

Ausschließlich geringfügig beschäftigt sind im Landkreis 6940 Menschen. Das betreffe laut der Pressesprecherin aber hauptsächlich Schüler, Studenten und Rentner, die sich etwas hinzuverdienen wollten. „Zudem werden diese Jobs genutzt, um Kontakte zu Unternehmen zu halten.“

Bis zu 450 Euro hinzuverdienen

Der Minijob zählt neben der Teilzeitarbeit, befristeten Arbeitsverhältnissen sowie der Leiharbeit zu den sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Seit der Reform der Minijobs im Jahr 2003 konnten im Rahmen einer geringfügigen Tätigkeit bis zu 400 Euro verdient werden, ohne dass Steuern und Sozialabgaben für den Arbeitnehmer anfielen. Dabei ist die Arbeitszeit nicht begrenzt. Es ist zudem gänzlich unerheblich, ob der Minijob haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Nach der Gesetzesänderung im Herbst 2012 wurde die Verdienstgrenze ab Januar 2013 auf 450 Euro angehoben. Es besteht zudem Versicherungspflicht in der Rentenversicherung. (esp)

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