Das Presseecho auf die Premieren-Inszenierung von Holk Freytag ist durchwachsen

Dornige Kritiken für die „Rose“

An der Besetzung mit Emanuela von Frankenberg als blinder Jorge von Burgos scheiden sich die Kritiker-Geister. Foto: Iko Frese, Drama-Berlin

Bad Hersfeld. Durchwachsen ist das Presseecho auf Holk Freytags Inszenierung von „Der Name der Rose“. Die meisten deutschen Tageszeitungen haben die Kritik der Deutschen Presseagentur übernommen, die „Starke Premiere von „Der Name der Rose“ getitelt hatte. Freytag inszeniere in „atmosphärisch dichter Form“, urteilt Jörn Perske. Weiter heißt es: „Das Stück bestach auch durch Bildstärke. Das alte Gemäuer wurde immer wieder in spärliches Licht, Rauch und Nebel getaucht, während Mönchsgesänge ertönten“.

Ganz anders Christoph A. Brandner in der Fuldaer Zeitung: „Langeweile vor großartiger Kulisse“ titelt das Blatt. Auch der spektakuläre Feuerzauber am Ende könne „die matte Inszenierung der wirren Dramatisierung“ von Umberto Ecos Roman nicht retten.

„Freundlicher bis kräftiger Beifall für eine entbehrliche Reise in die Vergangenheit, die viel über unsere Gegenwart hätte mitteilen können.“ Nicht nachvollziehbar nennt Brandner die Besetzung der Rolle des blinden Jorge von Burgos durch Emanuela von Frankenberg. Er hält die Figur zudem für überzeichnet.

Das sehen die Kollegen von Osthessennews ganz anders: „Die Besetzung des blinden Jorge von Burgos mit Emanuela von Frankenberg erweist sich bereits in der Premiere als bemerkenswerter Kunstgriff“, schreibt Klaus Scheuer in seiner Online-Kritik. „Die Inszenierung besitzt Kraft, zweifellos: Die Liebesszene zwischen dem jungen Adson von Melk und dem namenlosen Mädchen ist schlicht und doch voller erotischer Spannung realisiert und schafft es das Publikum in atemlosen Bann zu ziehen.“

„Quälend langweilig und schlicht uninteressant“ nennt auch Thomas Schmitz-Albohn vom Gießener Anzeiger und bezeichnet die Inszenierung als „Flop“. Schöne Bilder allein machten noch keinen Theaterabend. „Man merkt dem Ganzen leider an, dass hier kein Theaterdichter am Werk war“, findet Schmitz-Albohn.

Die Sprache sei ohne poetischen Reiz, die Dialoge hölzern, die Charaktere blutleer. Es fehle der belebende dramatische Impuls. „Hinzu kommen die Schwächen der Regie, die sich in der biederen, oft laienspielartig anmutenden Personenführung offenbaren.“

Deutlich positiver fällt die Rezension von Bettina Fraschke in der HNA aus. Stimmungsvolle, große Bilder habe Regisseur Holk Freytag für seine Festspiel-Inszenierung gefunden und lobt zudem das Bühnenbild. Allerdings sei es schwer, den Roman von Eco in zwei Stunden abzuhandeln. „So wird die Produktion leicht unübersichtlich und überfrachtet“.

Ein Spannungsbogen entstehte in der ersten Hälfte des Abends kaum, findet Fraschke. „Die philosophischen Dispute und das machtpolitische Ringen, das Freytag mit aktuellen europa- und weltpolitischen Bezügen unterfüttert, sind außerdem so verknappt, dass den gelehrten Texten schwer zu folgen ist. Vorkenntnisse empfehlenswert“ urteilt die HNA-Kritikerin. (kai)

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