Herabsetzen des Führerscheinalters wird unterschiedlich beurteilt

In der Diskussion: Mit 15 Jahren aufs Moped

Hersfeld-Rotenburg. Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg könnten Jugendliche in Zukunft schon ein Jahr früher aufs Moped steigen: Wenn es nach den Regierungsfraktionen im Bundestag geht, sollen mit der neuen Führerscheinklasse AM bereits 15-Jährige Mopeds mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 Stundenkilometern fahren können.

 Bislang dürfen sie nur Mofas bis Tempo 25 lenken.

Rainer Nemnich, Geschäftsführer der Verkehrswacht Herfeld-Rotenburg, ist strikter Gegner dieses Vorstoßes: „Wir lehnen den Führerschein mit 15 Jahren kategorisch ab, denn wir denken, dass vielen Jugendlichen in diesem Alter noch das Verantwortungsbewusstsein fehlt.“

Das Gefahrenpotenzial sei zu hoch. „Gerade weil mit diesem Führerschein auch Quads gefahren werden dürfen und die Jugendlichen die allradgetriebenen Maschinen möglicherweise im Gelände voller Übermut an ihre Grenzen bringen wollen.“ Nemnich verweist zudem auf Unfallstatistiken aus Österreich, wo die Zahl der verunglückten 15-jährigen Mopedfahrer in den vergangenen zehn Jahren um das 14-fache angestiegen sei.

Karl Lieb, Vorsitzender des Landesverbandes Hessischer Fahrlehrer, ist anderer Meinung. Vor allem Jugendliche in ländlichen Regionen profitierten von der Altersabsenkung: „Auf Landstraßen wird ein etwas größerer Roller von anderen Fahrern eher akzeptiert als ein Mofa, im Stadtverkehr wird man mit Tempo 45 seltener überholt.“ Der Führerschein AM sei ein richtiger Schritt, „frisierten Mofas mit zu schwachen Bremsen das Wasser abzugraben“.

Anders als die Mofa-Bescheinigung setze der Mopedführerschein zudem eine Praxis-Prüfung voraus. „Das heißt: Fahrstunden im echten Verkehr, nicht nur auf abgestecktem Gelände, und damit eine bessere Ausbildung“, sagt Lieb.

Hintergrund Zum Tage

Von Sonja Broy und Simon Neutze

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