Wochenendporträt

Direkt, präsent und ehrlich: Rainer Neusüß ist seit Juli Polizeichef im Kreis

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Seine neue Wirkungsstätte: Rainer Neusüß ist seit 1. Juli Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg. In seiner Karriere war er schon in vielen Städten und Kreisen Hessens beschäftigt.

Rainer Neusüß ist seit 1. Juli Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg. Mittlerweile fühlt er sich im Landkreis beruflich richtig angekommen.

„Was mich als Chef auszeichnet?“, wiederholt Rainer Neusüß die Frage und wird immer leiser. Er blickt ein paar Sekunden aus dem Fenster, zieht seine Wangenknochen Richtung Augen und überlegt. Dann zählt er auf, und hebt bei jedem Punkt einen Finger mehr: „Ehrlichkeit, Präsenz, Gerechtigkeit, Kollegialität, aber auch, dass ich es sage, wenn mir etwas nicht passt.“ Seit 1. Juli ist der Kriminaloberrat Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg. Die Beamten der Polizeistationen Bad Hersfeld, Rotenburg und der Kriminalpolizei arbeiten unter seinem Kommando. „Alles, was ich in meiner Ausbildung gelernt habe, ist nur ein Rahmen. Im Beruf zählt, was ich für einen Charakter habe.“ Und mittlerweile, so schildert Rainer Neusüß, sei er hier in Hersfeld-Rotenburg so richtig angekommen. „Die berühmten 100 Tage hat’s aber schon gebraucht, wenngleich ich von Anfang an toll vom übrigen Führungsstab unterstützt wurde“, sagt der Eschweger.

Rainer Neusüß ist 48 Jahre alt. Geboren wurde er in Weißenborn bei Eschwege, wo er mittlerweile lebt. Neusüß ist Vater zweier Söhne. Sein Hobby ist der Handballsport, früher als aktiver Spieler, heute als regelmäßiger Zuschauer der MT Melsungen. Neusüß ist seit 26 Jahren bei der Hessischen Polizei beschäftigt. Nach dem Studium zum höheren Dienst arbeitete er bis 2006 beim Polizeipräsidium Frankfurt als Polizeiführer. 2007 kam er in den Werra-Meißner-Kreis zurück. Der Kriminaloberrat, der die Eschweger Kripo fast sieben Jahre führte, übernahm 2014 die Leitung der Zentralen Kriminalinspektion des Polizeipräsidiums Nordhessen in Kassel. (flk)

Obwohl es keine neue „Firma“ sei, für die er nun arbeitet, unterscheide sich die Direktion trotzdem von seinen bisherigen Posten. „Ich war noch nie in Osthessen beschäftigt. Zum ersten Mal kenne ich fast keinen Polizisten aus der Zusammenarbeit in vorangegangenen Dienststellen“, erklärt Neusüß. Als Chef möchte er in Zukunft nicht auf Leistung und das Erreichen von Zielen alleine schauen. Genauso wichtig sei es, dass ein gutes Arbeitsklima herrsche. Als Schlagwort nennt Rainer Neusüß Vertrauen. „Wir Polizisten sind bei der Ermittlungsarbeit grundsätzlich misstrauisch. Doch das darf im Innenverhältnis nicht sein.“ Die vorhandene gute Organisation der Polzeiarbeit im Landkreis will er fortführen. Seine Laufbahn bei der Polizei hat der frühere Handballer nach dem Abitur 1989 im mittleren Dienst begonnen. Im Einsatz war er nach der Ausbildung zwischen 1994 und 1998 für das Landeskriminalamt in Wiesbaden. In seiner Zeit dort war er für Organisierte Kriminalität zuständig. „Da war ich direkt an der Front.“ Parallel dazu absolvierte Rainer Neusüß ein Diplom-Studium, um sich für den gehobenen Dienst zu qualifizieren. „Ab 1993 hätte ich das mit Abitur direkt machen können, so aber habe ich die Polizeiarbeit von der Pieke auf gelernt“, blickt er zurück. Sein Aufstieg ging weiter: Nach zwei Jahren im Polizeipräsidium Kassel studierte der 48-Jährige an der Deutschen Hochschule Polizei zwischen 2003 und 2005 für den höheren Dienst. Danach war er in verschiedenen leitenden Positionen tätig. Den Entschluss, Polizist zu werden, hat Rainer Neusüß schon während des Abiturs gefasst. „Die Alternative war ein Maschinenbau-Studium. Kumpels vom Handball, die Polizisten waren, haben mich überzeugt.“ In seinem Beruf könne er Menschen helfen, sei mit ihnen in Kontakt und werde anerkannt. „Die Entscheidung habe ich nicht eine Sekunde lang bereut“, sagt Neusüß.

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