250 Dinge, die wir an der Region mögen (72): Das Schloss Philippsthal

Namensgeber für den Ort

PHILIPPSTHAL. Wer die Philippsthaler ärgern will, der ruft sie bei ihrem Spottnamen: „Landgrafen“. Ein wenig Neid schwingt bei dieser Bezeichnung wohl auch mit, denn ein solch imposantes Schloss wie das der Werragemeinde gibt es in der Umgebung nicht noch einmal.

Zwar erfreut sich das Bauwerk bei Touristen wachsender Beliebtheit, dennoch ist selbst mancher Besucher aus der Kreisstadt überrascht, wenn er die Schlossanlage das erste Mal betritt.

Die Ursprünge des Schlosses reichen bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts zurück. Damals begann der Benediktinerorden mit dem Bau eines Klosters, das schon bald von den Zisterzienserinnen übernommen wurde. Wütende Bauern zerstörten 1525 die Klostergebäude. Erhalten blieb nur die Klosterkirche, die zur heutigen Schlosskirche umgebaut wurde.

1685, nachdem das Kloster mehr als 100 Jahre ungenutzt war, begann in Philippsthal die Fürstenzeit. Philipp von Hessen-Philippsthal, der dritte Sohn des Landgrafen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel und der Landgräfin Hedwig Sophie von Brandenburg, baute das Kloster zu seiner Residenz um. Dem Schloss gab der Landgraf den Namen Philippsthal – dieser bürgerte sich auch für das angrenzende Dorf Kreuzberg ein. 1925 starb der kinderlose Ernst von Hessen-Philippsthal als Letzter in der Reihe der insgesamt sieben Philippsthaler Regenten. In der Folgezeit waren im Schloss unter anderem ein Hilfskrankenhaus, ein Büro der Reichsbahndirektion und zuletzt bis 1982 das evangelische Altenheim untergebracht. 1985 erwarb schließlich die Gemeinde Philippsthal das Anwesen und ließ es zu einem Handels- und Dienstleistungszentrum umbauen. Ein Neubau füllt seither die Lücke, die der 1968 abgebrannte Gutstrakt hinterlassen hatte.

Einige Firmen haben das Schloss wieder verlassen, dennoch finden sich dort heute unter anderem Büros, ein Seniorenheim, Arzt- und Therapiepraxen sowie zwei Gaststätten und im Haupttrakt die Gemeindeverwaltung. Schmuckstücke sind die Bibliothek mit der Stuckdecke und der Sitzungsraum, dessen Tapete anhand originaler Tapetenbahnen aus der Landgrafenzeit nachgedruckt wurde. Weitere historische Tapeten sind auf den Rathausfluren ausgestellt. Im Schlosshof finden mehrmals im Jahr Märkte statt. Durch eine Baumallee mit dem Schloss verbunden ist die Orangerie im Schlosspark, die bei Hochzeitspaaren als Festsaal beliebt ist. Zur angrenzenden, 1990 eröffneten Kreuzberghalle, fällt in Philippsthal mitunter die Bemerkung „Bausünde“. Dort finden jedoch regelmäßig Musik- und kulturelle Veranstaltungen statt.

Was mögen Sie?

Gefällt Ihnen die Idee unserer Serie? Dann machen Sie doch einfach mit und schreiben uns, was Sie in der Region besonders mögen. Vielleicht kommt dann auch Ihr „Lieblings-Ding“ in unserer Serie vor: redaktion@hersfelder-zeitung.de

Im Schlosspark begehen die Philippsthaler auch ihre Feiern und Feste. Etwa das Weinfest, die Kirmes, die Fachausstellung „PhifFa“ oder den Oldtimertag. Außerdem sind da noch der große Spielplatz, die Schlosskirche und das Grenzmuseum im Torbogenhaus. All das wäre aber eine eigene Folge unserer Serie wert. Das Landgrafenschloss in Philippsthal – es hat viel mehr zu bieten, als mancher auf den ersten Blick vermutet.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare