Diktaturen überwinden, gemeinsam aktiv werden

Liebe Leserinnen und Leser der Hersfelder Zeitung, die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit bestimmten das Wochenende. Auf Point Alpha warb James D. Melville jr., Vizechef der US-Botschaft in Deutschland, ein Zeitzeuge des kalten Krieges, um ein internationales Zusammengehen bei der Bewältigung der globalen Probleme – der terroristischen Bedrohung im Nahen Osten, der Ukraine-Krise, der Ebola-Epidemie und des Klimawandels. Im Herbst 1989 habe sich gezeigt, dass Mauern fallen und Diktaturen überwunden werden können.

Wie Diktaturen mit andersdenkenden Menschen umgegangen sind, konnten die Bad Salzunger und ihre Gäste am 3. Oktober beim Besuch des ehemaligen Stasibunkers in der Friedrich-Engels-Straße erleben. Voller Interesse verfolgten die zahlreichen Zuhörer, wie Brände, Unfälle und Havarien im Kreis Bad Salzungen in den Stasiakten ihren Niederschlag gefunden haben.

In der Kommunalpolitik beschäftigt die Regierungsbildung weiter die Gemüter. Die CDU konnte einen klaren Sieg erringen. Trotzdem könnte es im Freistaat erstmals eine rot-rot-grüne Regierung geben. Das treibt die Menschen in der Region um. An der SPD-Basis brodelt es. Viele ältere Sozialdemokraten können und wollen sich ein Regierungsbündnis mit einem linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow nicht vorstellen. Zu frisch sind die Erinnerungen an den Herbst 1989/1990. „Wir sind das Volk“, schallte es damals durch die Straßen.

Ist das alles vergessen? Heute findet auch im Wartburgkreis gerade einmal die Hälfte der Wahlberechtigten den Weg an die Wahlurne. In Gemeinderäten wird überlegt, ob nicht noch mehr Fragen in nicht öffentlicher Sitzung beraten werden könnten. Doch die Bürger wehren sich. Immer mehr Bürgerinitiativen melden sich zu Wort. In dieser Woche sagten Bürger und der Naturschutzbund lautstark ihre Meinung zum geplanten Verlauf der Bundesstraße B 19 Etterwinden-Wilhelmsthal bis zum Anschluss an die A 4. Die Gehörlosen forderten in Bad Salzungen einen Nachteilausgleich. Und die Eltern behinderter Kinder der Paul-Geheeb-Schule in Bad Salzungen suchen Mitstreiter, um ihre Kinder mit Unterstützung von Unternehmen und Ämtern in Arbeit zu bringen.

Die Eltern der Kindergartenkinder von Dorndorf und Dietlas ringen darum, dass für ihre Kinder wieder in den Kindereinrichtungen gekocht wird. Eine eigene Küche im Kindergarten soll wieder her. Vielleicht ist die Krayenberggemeinde der Vorreiter. Zumindest will die Gemeindeverwaltung alle Zahlen und Fakten aufbereiten, damit die Gemeinderäte eine fundierte und nachhaltige Entscheidung treffen können.

Auch beim Straßenausbau entwickeln sich neue Modelle. In Langenfeld hat sich eine Eigentümergemeinschaft gebildet. Sie übernimmt den Ausbau des Bornrains selbst und entscheidet damit über den Ausbaugrad der Straße und auch über die Kosten.

In Dietlas feierten die Sportfischer ein großes Fest. Der Angelverein ist gerade dabei, die Teichanlagen zu sanieren und zu einer Naherholungsoase zu entwickeln. 51 000 Euro an Kosten muss der kleine Verein stemmen. Die Krayenberggemeinde steuert zumindest 2000 Euro bei, 6000 Euro kamen aus einem anderen Fördertopf. Selbst wenn es noch eine kreisliche Finanzspritze geben sollte, der Verein schultert in ehrenamtlicher Arbeit die Hauptlast. Und in Kieselbach baut der Rentner Gerhard Koch seit Jahren Bänke. Völlig uneigennützig, ohne finanzielle Unterstützung.

Sollten Sie einmal auf dem Wanderweg unterhalb der Krayenburg bei Kieselbach wandern, gönnen Sie sich eine Rast auf einer dieser Bänke und genießen den tollen Blick in das Werratal.

ute.weilbach@stz-online.de

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