Schule für Erwachsene Osthessen verbindet im Unterricht Tradition und Moderne

Die digitale Schultasche

Lernen auf Distanz: Dietmar Becker, stellvertretender Leiter der Schule für Erwachsene Osthessen und Trainer für „Blended Learning“ (Integriertes Lernen), gibt seiner Schülergruppe eine Stunde Biologie- und eine Stunde Deutschunterricht über das Internet. Foto: Pistor

Hersfeld-Rotenburg. Geschäftig geht es in der Schule für Erwachsene (SfE) Osthessen am Standort Bad Hersfeld zu. Heute findet der Unterricht in einem Klassenzimmer der besonderen Art statt: Zehn Schüler treffen sich mit der Lehrkraft, Studiendirektor Dietmar Becker, auf der Internetplattform „Edunex“, die von T-Systems entwickelt wurde.

Mit Kopfhörer und Mikrofon

Becker trägt ein Headset und hat sich bereits mit seinem Nutzernamen und Passwort auf der Seite angemeldet. Nach und nach kommen seine Schüler hinzu, die sich an speziell eingerichteten Lernorten treffen oder – bei entsprechend guter technischer Ausstattung – auch von zu Hause aus arbeiten.

Die aktuellen Arbeitsmaterialien können in der linken Spalte der Internetseite aufgerufen werden. „Das hat den Vorteil, dass alle zu jeder Zeit Zugriff auf die Inhalte haben, auch auf solche, die bereits besprochen worden sind“, erläutert Becker. Zu Beginn macht der Pädagoge einen Technik-Test, spricht seine Schüler an, bittet um Antwort, hilft bei Problemen.

Der Rest des Unterrichts läuft ähnlich wie die Präsenzveranstaltungen ab: Becker steuert den Kursraum, zieht eine Folie ins Sichtfeld, die er mit den Schülern bespricht, und gibt Arbeitsaufträge. Wer eine Frage hat, kann per Knopfdruck eine Hand vor seinem Namen erscheinen lassen – das bedeutet „Ich melde mich zu Wort“.

Wer etwas nicht verstanden hat, meldet dies der Lehrkraft mit Hilfe eines roten Kreuzes auf dem Bildschirm, zur positiven Rückmeldung dient ein grüner Haken. Und wenn der Computer kurz verlassen werden muss, kann man sich für diese Zeit abmelden. Auch Textchat und Web-Kamera sind vorhanden. „Außerdem ist es möglich, auf der Arbeitsfläche Grafiken zu erstellen“, sagt Becker. „Folien, die ich zeige, können von den Lernenden beschriftet werden.“ Auch Gruppenarbeit der Schüler untereinander ist dank Kopfhörer und Mikrofon kein Problem.

Dieser Unterricht ist Teil des sogenannten „Blended Learning“-Konzepts, einer Lernform, die traditionelle Präsenzveranstaltungen mit modernem Internetlernen verbindet. Das bietet sich für die Schule für Erwachsene Osthessen an, da sie große ländliche Bereiche abdeckt. „Unsere Schüler müssen so nicht täglich weite Wege zu den Schulstandorten zurücklegen“, betont Schulleiter Thomas Bös. Die SfE entwickelt das Integrierte Lernen weiter, derzeit werden zusätzliche Lernorte eingerichtet, etwa in Hünfeld, Eschwege und Rotenburg.

Virtuelles Klassenzimmer

Lehrer und Schüler äußern sich gleichermaßen positiv über das Blended Learning-Projekt. „Die Sprachqualität ist sehr gut und die Plattform wird ständig aktualisiert“, erklärt Becker. „Gerade bei Hochwasser wie zurzeit ist das virtuelle Klassenzimmer super“, findet Schüler Sebastian.

Und auch, wenn technische Probleme anfangs Zeit kosteten, sei doch alles nur eine Frage der Übung, bekräftigt Schüler Martin. „Als Kind konnte man nur davon träumen, nicht jeden Tag früh zur Schule zu müssen“, lacht er.

Von Christina Pistor

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