Sergej Laschins „Skizzen aus Afghanistan“ – Außergewöhnliche Vernissage in der Stadthalle

Diese Bilder lügen nicht

Drei Stunden Ausstellung – dann Umzug. Das ist schon außergewöhnlich. Olaf Wald, Maria Wieczorek, Sergej Korionov und Hans Karl Schmidt (von links) gestalteten die Vernissage auf der „Ersatzinsel“. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Die Vorfreude auf die „Kunstinsel“ in der Stadthalle war bei den Mitgliedern des Kunstvereins und den Gästen gleichermaßen groß. Am Pfingstsonntag sollte der eigens im Untergeschoss eingerichtete permanente Ausstellungsraum eröffnet werden, doch dieser war aufgrund technischer Probleme noch nicht nutzbar. Die zeitgleich geplante Eröffnung der dem russischen Künstler Sergej Laschin gewidmete Ausstellung fand kurzfristig im ersten Obergeschoss der Stadthalle statt.

Ein Schritt zur Wahrheit

„Außergewöhnlich ist die Ausstellungseröffnung, aber auch das Thema der Ausstellung“, betonte die neue Vorsitzende Maria Wieczorek. Der Kunstverein stellt Grafiken von Sergej Laschin mit dem Titel „Ein Schritt zur Wahrheit – Skizzen aus Afghanistan“ aus, die ihm von Sergej Korionov, einem Cousin des Künstlers, zur Verfügung gestellt wurden. Korionov, der die Skizzen mit nach Deutschland brachte, war anwesend und stellte sich selbst und allen Anwesenden die Frage: „Warum will der Künstler uns das zeigen?“

Er erinnert sich, dass sein Cousin diese Skizzen bisher nie gezeigt hat. 20 Jahre lang lagen sie in einer Schublade in seinem Schreibtisch. „Jetzt aber ist der Moment gekommen.“ Maria Wieczorek spricht im Namen aller Mitglieder des Kunstvereins und betont: „Mit dieser Ausstellung wollen wir etwas bewegen. Krieg ist bei Jugendlichen ein Spiel, ein Kick, ein Abenteuer. Doch Krieg ist bitterer Ernst. In diesem Sinn wollen wir mit Schulklassen ab einer bestimmten Jahrgangsstufe arbeiten“.

Korionov las aus einem Brief seines Cousins an mögliche Verleger. Hierin berichtet Laschin, der nach einer schweren Kindheit und einem Internatsaufenthalt Kunst studierte, von seinen Kriegserlebnissen und Erfahrungen. 1984 wurde er zum Militär eingezogen und ein Jahr später nach Afghanistan geschickt. „Ich habe gespürt, ich möchte kämpfen. Ich liebe alles, was mit der Armee zu tun hat. Mir gefiel: Im Krieg ist alles ehrlich!!!“, beschreibt Laschin seine Gefühle, der später seine zum Teil traumatischen Kriegserlebnisse in seinem Skizzenbuch verarbeitet.

Radiolegende Hans Karl Schmidt war eingeladen und gab mit seiner markanten Stimmen den Gedichten „Nie wieder Krieg“ von Kurt Tucholsky und „Bewaffneter Friede“ von Wilhelm Busch noch mehr Tiefe. Olaf Wald begleitete die Vernissage mit seinem gewohnt einfühlsamen Geigenspiel.

„Diese Bilder lügen nicht“, ist den interessierten Besuchern klar, die an diesem Tag noch zwei Stunden Zeit zum Betrachten und zum Gedankenaustausch hatten. Auch das ist außergewöhnlich, dass eine Ausstellung direkt nach der Vernissage umzieht. Der Umzug ist in dieser Woche geplant. Den genauen Termin zur Eröffnung der Kunstinsel geben wir in unserer Zeitung bekannt.

Von Gudrun Schmidl

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