Junge Männer und eine Frau gestehen

Diebisches Trio steht in Bad Hersfeld vor Gericht

Bad Hersfeld. Zwei junge Männer und eine 21 Jahre alte Frau müssen sich wegen einer Serie von zehn Diebstahlstaten vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld verantworten.

Nach Aktenlage wäre für einen 27 Jahre alten Hersfelder das Ende der Fahnenstange erreicht gewesen: Jede Menge Vorstrafen im Register, zwei widerrufene Bewährungen und nun eine neue Anklageliste von zehn Diebstahls- und Betrugstaten – der Weg hinter Gitter war vorgezeichnet. Doch selbst Staatsanwältin Dr. Christine Seban ließ sich gestern durch den Prozessverlauf vor dem Jugendschöffengericht um- und milde stimmen: Der Hersfelder legte nicht nur ein umfassendes Geständnis ab, sondern hatte sich im Vorfeld der Verhandlung auch einer Drogentherapie unterzogen, die kurz vor dem Abschluss steht. Gemeinsam mit einem 30-jährigen Bekannten und einer damals 20 Jahre alten Freundin hatte der Hersfelder im Zeitraum Mai bis Juli 2015 nach dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“ immer dann zugelangt, wenn etwas nicht niet- und nagelfest war.

Der ungesicherte Fahrradschuppen der Jugendherberge, unverschlossene Autos, Grundstücke und Gartenhütten wurden heimgesucht, um Beute zu machen: Fahrräder, Portemonnaies samt ec-Karten – netterweise hatten die Eigentümer die PIN-Zahlen auf beiliegenden Zetteln notiert –, ein Rasenmäherroboter, Unterhaltungselektronik, Bekleidung, Schmuck und Sparbücher fielen dem Trio in die Hände. Das Meiste wurde gleich wieder veräußert, um an Betäubungsmittel zu kommen. Auch das Geld aus dem Automaten wurde in Drogen, Zigaretten und Lebensmittel investiert. Denn alle drei waren damals süchtig.

Am heftigsten hatte es den 27-Jährigen getroffen, der nach dem Tod seiner Mutter den Boden unter den Füßen verloren hatte. Doch alle drei Angeklagten haben seit damals erfolgreich die Kehrtwende vollzogen, leben seitdem straf- und drogenfrei.

Das Gericht attestierte verminderte Schuldfähigkeit, ging aber bei allen Vorwürfen von strafschärfender Gewerbsmäßigkeit aus. Zwei Jahre Freiheitsstrafe für den Haupttäter, ein Jahr für den an sechs Taten beteiligten 30-Jährigen, beide Strafen zur Bewährung ausgesetzt, und zweimal je eine Woche Dauerarrest für acht Taten für die nach Jugendrecht verurteilte Frau – diese Urteile standen am Ende eines Prozesses, der unter normalen Umständen ganz anders ausgegangen wäre. Alle Urteile sind schon rechtskräftig.

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