43-Jährige griff in Hersfelder Logistikzentrum wahllos zu: Bewährungsstrafe

Diebin aus innerem Zwang

Bad Hersfeld. Bei der Frage nach dem Motiv war auch Richter Elmar Schnelle ratlos: „Das ist kaum zu verstehen“, sagte er, nachdem er eine 43 Jahre alte Frau aus Eschwege wegen 97 Diebstählen bei ihrem Hersfelder Arbeitgeber zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt hatte.

Denn die seit 2003 in einem Logistikzentrum beschäftigte Mutter einer volljährigen Tochter war eine völlig unauffällige Mitarbeiterin gewesen, bis sie sich im Herbst vergangenen Jahres innerhalb weniger Wochen plötzlich wahllos bei Uhren und Schmuckartikeln aus einem sogenannten Pick Tower bediente.

Auf der Damentoilette entledigte sie sich der Umverpackungen, um ihre Beute unbemerkt aus dem Gebäude schmuggeln zu können. Die Diebstähle fielen dennoch auf und ließen auf eine weibliche Täterin schließen.

Beute im Beutel

Feinere Kontrollen führten dann auf die Spur der Eschwegerin. Bei einer Hausdurchsuchung konnten fast alle die Beutestücke sichergestellt werden. Den Rest lieferte die Diebin gestern in einer Plastiktüte im Gericht ab.

„Es war wie ein innerer Zwang“, sagte die rückhaltlos geständige Angeklagte, die als Grund für ihr Tun „depressive Stimmungen“ anführte.

Seit Jahren süchtig

Bei der weiteren Befragung durch Richter Schnelle kam heraus, dass die Frau seit 1988 heroinsüchtig ist. Das Rauschgift habe sie seinerzeit probiert, um ihrem ebenfalls abhängigen Freund keine Vorwürfe machen zu können.

Auch dieses Bekenntnis löste im Saal nur allgemeines Kopfschütteln aus. Straffällig ist die Eschwegerin dennoch in all den Jahren nicht geworden. Auch dienten die Diebstähle keineswegs zur Finanzierung ihres Rauschgiftkonsums. Ohnehin waren unter den entwendeten Gegenstände auch zahlreiche geringwertige Sachen. Insgesamt betrug der Schaden etwa 8500 Euro.

Die Vielzahl der Taten verlangte freilich nach einer empfindlichen Strafe. Diese konnte jedoch gemäß einer vorherigen Absprache aller Verfahrensbeteiligten zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Angeklagten wurde darüber hinaus aufgegeben, die bereits begonnene Therapie fortzusetzen. „Ich hoffe, dass Sie jetzt die Kurve gekriegt haben“, gab Richter Schnelle der Frau mit auf den Weg.

Von Karl Schönholtz

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