Montagsinterview mit Florian Lüders, dem Windpark-Projektleiter von Abo Wind

„Die Resonanz ist positiv“

Strippenziehen für Abo Wind: In den vergangenen Tagen wurden am Wehneberg die Windkraft-Standorte verkabelt. Florian Lüders war vor Ort, um die Arbeiten zu überprüfen. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Aber nur wenige Meter entfernt herrscht Kahlschlag. Dort wurden Bäume für eine der sechs Windkraftanlagen gerodet, die bis zum Jahresende stehen sollen. Über das umstrittene Vorhaben sprach Kai A. Struthoff mit Projektleiter Florian Lüders von Abo-Wind  in der Dachshütte auf dem Wehneberg.

Herr Lüders, bekümmert es Sie gar nicht, den Kahlschlag hier im Wald zu sehen?

Florian Lüders: Natürlich ist das ein schmerzhafter Eingriff in Natur und Landschaft. Bei anderen Arten der Stromerzeugung fällt die ökologische Bilanz allerdings deutlich negativer aus. Denken Sie nur an die Begleiterscheinungen der Kohleförderung oder des Schiefergasabbaus. Ein Vergleich mit den von Kohlekraftwerken verursachten Umwelt- und Gesundheitsschäden relativiert den Kummer über Rodungen am Wehneberg. Wir versorgen mit diesem Windpark 12 000 Haushalte in Bad Hersfeld und Umgebung klimafreundlich und umweltverträglich, und vermeiden jährlich rund 30 000 Tonnen Kohlendioxid.

Momentan sind viele Spaziergänger entsetzt über den Einschlag im Wald. Was bleibt am Ende sichtbar?

Lüders: Dort, wo jetzt gerodet wurde, bleibt ein Kranstellplatz von 20 mal 50 Metern entlang des Weges und der Standort des Windrades selbst. Alles andere wird wieder aufgeforstet.

Die Rodung ist abgeschlossen. Wie geht es jetzt weiter?

Lüders: Wir haben jetzt damit angefangen, die Anlagenstandorte miteinander zu verkabeln. Mitte April werden die Wege und Kranstellplätze errichtet. Dazu werden die Wege um einen Meter verbreitert und geschottert. Danach werden die Fundamente aus Stahlbeton gegossen. Im späten Sommer dann werden die Bauteile und Rotoren angeliefert.

Die Zuwegung läuft über Rohrbach. Was erwartet die Anwohner dort?

Lüders: Die Arbeiten finden zwischen 7 und 19 Uhr statt, also weder nachts noch am Wochenende. Es sind aber mehrere hundert Fahrzeuge im Einsatz, die den Schotter zum Wegeausbau und später den Beton transportieren.

Statt acht werden nur sechs Anlagen gebaut. ABO Wind nannte das „optimieren des Windparks“. Was ist optimaler daran, wenn doch weniger Anlagen ans Netz gehen?

Lüders: Optimal ist es, die Belastungen für Anwohner und Natur zu minimieren und möglichst viel Strom zu erzeugen. Deshalb haben wir zwei Anlagen verschoben. Der Windpark rückt dadurch weiter von den Orten weg. Außerdem optimieren wir den Park wirtschaftlich. Der Verzicht auf die eine Anlage reduziert die Abschattungen erheblich und erhöht den Stromertrag der in Hauptwindrichtung dahinter liegenden. Zudem liegen die Anlagen jetzt wie auf einer Perlenkette in einer Reihe, was auch die Eingriffe in den Wald reduziert – also optimiert.

Die Gegner dieses Projekts kritisieren, dass kein Schallschutzgutachten vorliegt. Zudem sollen die Anlagen von General Electric besonders laut sein. Was tun Sie, wenn die Windräder zu laut sind?

Lüders: Es liegt natürlich ein Schallschutzgutachten vor, ohne das wir keine Genehmigung vom RP in Kassel erhalten hätten. Die geplanten Anlagen von General Electric sind erprobt und nicht lauter als andere. Alle Grenzwerte werden eingehalten und teilweise sogar deutlich unterschritten.

Ihr Vorstand Jochen Ahn hat unlängst in einem Zeitungsinterview eindringlich vor Änderungen am Gesetz für Erneuerbare Energien (EEG) gewarnt. Er hat explizit den Windpark Wehneberg genannt, der dann gefährdet wäre, weil er nicht mehr rentabel sei. Ist das so?

Lüders: Das Projekt Wehneberg ist auf eine Inbetriebnahme im Jahr 2014 zu den jetzt geltenden Bedingungen ausgerichtet. Das wollen wir schaffen. Änderungen am EEG waren für 2015 angekündigt –aber eben nicht früher. Wir kritisieren, dass diese Spielregeln jetzt geändert werden sollen und pochen daher auf Vertrauensschutz. Das sieht unter anderem die hessische Landesregierung genauso und will sich im Bundesrat dafür einsetzen, den Gesetzentwurf entsprechend zu verändern. Dafür sind wir dankbar. Sollte das nicht gelingen, trägt ABO Wind das wirtschaftliche Risiko. Für den künftigen Betreiber wird der Windpark auf jeden Fall wirtschaftlich sein.

Windkraft-Projekte sind überall heftig in der Kritik. Glauben Sie, dass Ihr Arbeitsplatz auch in Zukunft noch sicher ist?

Lüders: Die Kritik zeigt, dass für Firmen wie ABO Wind noch viel zu tun ist, um der Energiewende zum Erfolg zu verhelfen. Insofern ist mir um meinen Arbeitsplatz nicht bange. Meine Gespräche mit Besuchern der Klimatage Bad Hersfeld oder Wanderern auf dem Wehneberg sind übrigens ermutigend: Ich erhalte überwiegend interessierte und positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

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