Behörde macht Bürgerinitiative wenig Hoffnung auf besseren Lärmschutz fürs Kurviertel

„Die Politik ist gefragt“

Informierten zum Thema Lärmschutz: (von links) Bernd Raake und Helmut Kammerzell von der Bürgerinitiative und Ralf Struif sowie Moritz Dehnhard von Hessen Mobil. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen lassen der Planungsbehörde für einen verbesserten Lärmschutz im Zuge der Erneuerung der A4 nur wenig Spielraum. Solange kein eindeutiger politischer Wille vorhanden ist, sind den Planern die Hände gebunden. Auf diesen vereinfachten Nenner kann das Ergebnis einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Lärmschutz A4 Hessen Mobil gebracht werden.

„Lediglich beim Neubau oder wesentlichen Änderungen von Straßen besteht ein Anspruch auf Lärmvorsorge. Beides trifft auf die Erneuerung der A4 nicht zu“, verwies Ralf Struif, zuständiger Planungsdezernent bei Hessen Mobil, auf die aktuelle Rechtslage. „Für bestehende Straßen gibt es nur die Möglichkeit der Lärmsanierung als freiwillige Leistung des Bundes oder Landes, auf die jedoch kein Rechtsanspruch besteht“, so Struif weiter. Über das gesetzlich Notwendige hinausgehende Maßnahmen würden später bei der Prüfung durch die Planfeststellungsbehörde dem Rotstift zum Opfer fallen, weiß Struif aus eigener Erfahrung.

Wirtschaftliche Abwägung

Dr. Joachim Dähn von der Bürgerinitiative sprach unter lautem Beifall der Anwesenden von „technokratisch-juristischen Regeln, die er als zynisch und menschenverachtend empfände“, schränkte jedoch ein, dass er sich sehr wohl bewusst sei, dass dies nicht die Schuld der Planer von Hessen Mobil sei. Vielmehr sei es Aufgabe der Politik, die bestehenden Regelungen im Sinne der Bürger zu ändern. Laut Moritz Dehnhard, dem zuständigen Projektingenieur bei Hessen Mobil, sind im Kurpark elf Wohnhäuser sowie zwei Kliniken von einer möglichen Grenzwertüberschreitung betroffen. Die wirtschaftliche Abwägung zwischen aktivem Lärmschutz (800 Meter zusätzliche Lärmschutzwand für 1,77 Millionen Euro) gegen passiven Lärmschutz (Schallschutzfenster für ca. 150 000 Euro) sei daher eindeutig zugunsten des passiven Lärmschutzes ausgefallen. Für den Johannesberg sowie die Eichhofsiedlung seien wegen der Hanglage Schallschutzwände erforderlich. Bedenken, dass dadurch Lärm zum Kurpark reflektiert würde, versuchte Dehnhard zu entkräften: Die Schallschutzwände bestünden aus in hohem Maße schallabsorbierendem Material. Auch gegen den von der BI ins Spiel gebrachten Flüsterasphalt sprechen laut Dehnhard wirtschaftliche Gründe, insbesondere die wesentlich geringere Haltbarkeit. Strittig war auch die Frage, wie die jeweiligen Lärmpegel ermittelt werden. Während sich Gerda Pfahl von der Bürgerinitiative für Messungen aussprach, verwies Ralf Struif auf das gesetzlich vorgeschriebene Rechenverfahren, welches auf einem digitalen Geländemodell beruhe und sich in der Praxis bewährt habe. Messungen hingegen würden nur das Verkehrsaufkommen während der Messzeit registrieren.

Von Thomas Landsiedel

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