250 Dinge, die wir an der Region mögen (102): Das Dörfchen Solms wird 800 Jahre alt

Die HZ kam mit dem Zug

Schmuckes Dörfchen: Die Ortsdurchfahrt des kleinen Niederaulaer Ortsteils Solms. Links das Dorfgemeinschaftshaus. Foto: nh

Solms. Der Niederaulaer Ortsteil Solms ist im Jahre 1213 unter dem Namen „Salmannes“ erstmals schriftlich erwähnt worden. Seit 1610 trägt der Ort den Namen Solms. Am 22. und 23. Juni feiert Solms im Rahmen des Gemeindefeuerwehrtages das 800-jährige Bestehen.

Ich wurde in den Nachkriegsjahren in Solms geboren und habe dort meine Kindheit und Jugend verbracht.

Gerne erinnere ich mich an viele schöne Erlebnisse und Begebenheiten, die mich auch heute noch mit meiner Heimat Solms verbinden.

Solms war ein durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf mit vielen Bauernhöfen und Ländereien. Die Einwohnerzahl betrug in der Nachkriegszeit etwa 250. Dies war bedingt durch die aufgenommenen Heimatvertriebenen aus Böhmen und Mähren. Heute sind es keine 100 Einwohner mehr.

In der Dorfmitte gab es ein Backhaus, in dem wöchentlich Brot und Kuchen gebacken wurde. Das war für uns Kinder immer ein Erlebnis. Gegenüber des Backhauses stand das Spritzenhaus. Daran befand sich die „Milchpritsche“ – die Bauern brachten dort jeden Morgen ihre milchgefüllten Kannen hin, die dann abgeholt und in die Molkerei nach Niederjossa gebracht wurden.

Spannend war es auch, wenn wir zusehen durften, wie der Schmied die Pferde beschlug. Was gab es damals nicht alles: Einen Dorfladen, ein Bürgermeisteramt, eine Poststelle... Von alledem ist heute nichts mehr vorhanden.

Ein abenteuerlicher Spielplatz waren für uns die Bombentrichter an dem damals schon aufgefüllten Autobahndamm. Im Sommer gingen wir in der Fulda baden und lernten dort auch das Schwimmen. Unsere Schule befand sich dort, wo 2007 das neue Dorfgemeinschaftshaus fertig gestellt wurde. Davor war ein kleiner Brunnen, aus dem wir im Sommer immer frisches Trinkwasser holen konnten.

Die Hersfelder Zeitung trug ich damals in jedes Haus. Diese kam immer mittags mit dem Zug nach Niederjossa. Ich musste also jeden Tag die Zeitungen am Bahnhof abholen. War die Fulda mal wieder über die Ufer getreten, fuhr ich mit dem Fahrrad nach Niederaula, um die Zeitungen nach Solms zu holen. Meine Mutter Anna war für Verbreitung gemeindlicher Bekanntmachungen zuständig. Dafür ging sie mit einer Glocke durchs Dorf, läutete und verkündete die Neuigkeiten.

Solms war eingebettet zwischen dem Hofgut Engelbach und dem Richthof. Heute liegt es (leider) zwischen Autobahn und Schnellbahn. Erstere wurde 1968 fertig gestellt. Die Schnellbahn kam 1991 dazu. Ab 1964 gingen die Kinder von Solms nach Niederaula in die Schule und seit dem 31. Dezember 1971 ist Solms ein Ortsteil der Gemeinde Niederaula.

Viel hat sich verändert

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Solms verändert. Viele Einwohner sind weggezogen. Man trifft aber immer wieder ehemalige Solmser im Radlercafé, welches in dem 2007 fertig gestellten DGH integriert ist und von fleißigen Helfern der Freiwilligen Feuerwehr geführt wird. Von diesen wird in den Monaten März bis Oktober ein Mal im Monat selbstgebackener Kuchen, Kaffee, sonstige Getränke, Bratwurst und vieles mehr angeboten. Das nächste Radlercafé findet im Rahmen der 800-Jahr-Feier statt und ich hoffe auf ein Wiedersehen mit vielen Bekannten und Freunden.

Von Regina Turban

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