Großer Andrang beim Weihnachtsbaumschlagen an der Wippershainer Höhe

Im Dickicht an die Säge

Abgesägt: Familie Klaus und Silke Piehler mit ihren Söhnen Jonas und Julian. Foto: Radick

Wippershain. Bereits mehrere hundert Meter vor der Einfahrt zum Weihnachtsbaumverkauf stehen Autos an der Straße, die meisten davon mit Anhänger. Am Samstag konnten dort, an der Alten Kamp bei Wippershain, zwischen 10 und 14 Uhr Fichten und Tannen geschlagen werden. Die ersten Selbersäger auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum tauchten bereits um neun Uhr auf, berichtet Revierförster Dieter Mathes, der seit acht Uhr am Aufbauen und Vorbereiten war.

Das Erlebnis ist wichtig

Viele Familien mit Kindern laufen zwischen den Bäumchen herum, manche finden schnell den passenden Baum, andere brauchen etwas länger. Mathes weiß, dass es nicht nur ums Geldsparen geht, wenn man beschließt, einen Baum selbst zu schlagen. „Zum einen ist es ein Erlebnis, gerade mit Kindern, und zum anderen weiß man dann, dass der Baum frisch ist“, sagt er. Die Bäume, die man bereits geschlagen kaufen kann, kämen oft aus Dänemark oder Schweden und man wüsste nie, wie lang das schon her ist.

Auf der Weihnachtsbaumkulturfläche, wie es offiziell heißt, werden jedes Jahr neue Fichten und Tannen angepflanzt. Eine Fichte wächst ungefähr 50 Zentimeter im Jahr, eine Tanne schafft nur etwa 20 Zentimeter. Das allein ist aber nicht der Grund, das Tannen etwas teurer sind, sie sind nicht nur langsam, sondern auch seltener.

Der Ausdruck „einen Baum schlagen“ stammt übrigens aus grauer Vorzeit, erklärt Mathes, als die Holzfäller nur mit der Axt bewaffnet in den Wald gingen.

In zehn Minuten gesägt

Zum Weihnachtsbaumschlagen haben aber fast alle eine Säge mitgebracht. „Genau richtig!“, so der Förster, „bei den Größen, die hier verkauft werden, ist man mit der Säge in zehn Minuten fertig.“

Das heißt aber nicht, dass auf der Verkaufsfläche ein Kommen und Gehen herrscht. Ganz im Gegenteil, der Platz füllt sich nach und nach. Wer einen Baum gefunden, abgesägt und bezahlt hat, geht keineswegs wieder nach Hause. Bei Glühwein, heißem O-Saft und Bockwürstchen werden noch Bekanntschaften erneuert und Schwätzchen gehalten. Zwei Feuertonnen stehen bereit, um die kalten Hände und Füße zu wärmen.

Weihnachtsbaum vom Förster

Einen Baum zu schlagen ist auch schon lange keine Männersache mehr, viele Frauen mit der Säge in der Hand und ganz ohne männliche Begleitung begutachten die Bäume. Auch Erika Exner aus Bad Hersfeld schlägt zu und nimmt eine 1,5 Meter große Tanne mit nach Hause. Wer so gar nichts Passendes findet, den schickt Mathes zu einer Aufforstungsfläche in den Wald. „Dort stehen alle Größen und Formen, allerdings nur Fichten“, sagt er, „die Leute dürfen nur nicht vergessen wieder zurückzukommen und zu zahlen!“ HINTERGRUND

Von Irene Radick

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