Wer ist wohl der Spitzenkandidat der Nichtwähler? Politisches Kabarett im Buchcafé

Die Deutschen im Schnitt

Die beiden Kabarettisten „Funke & Rüther“ sind bereits seit über zwanzig Jahren Kollegen und ein eingespieltes routiniertes Team. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Statistiken sind manchmal überraschend, weil sie dem Leser oft eine völlig neue Perspektive auf ein Thema bescheren, manchmal sind sie aber auch ideale Munition für gesellschaftskritische Kabarettisten, und so baut das aktuelle Programm „Scharf gemacht“ des Kabarettduos „Funke & Rüther“ auf diversen Statistiken über deutsche Männer und Frauen auf.

Am Freitagabend gastierte die „kabarettistische Doppelklinge aus Münster“ im Bad Hersfelder Buchcafé und versuchte für das Bad Hersfelder Publikum ein bisschen Orientierungshilfe im bundesdeutschen Phrasen-Dschungel zu leisten.

Wildeste Spekulationen

Quelle vieler Statistiken im Programm von „Funke & Rüther“ ist das US-amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup. Die Statistiker stellten beispielsweise fest, dass Dreiviertel der Selbstmorde in Deutschland von Männern verübt werden, dass ist natürlich ein willkommener Ansatz für wildeste Spekulationen.

Zwischen ihren extrem unterhaltsamen Statistikanalysen machen die beiden Kabarettisten immer wieder Ausflüge ins aktuelle Tagesgeschehen, hier stellen sie Fragen, die wohl niemand vor ihnen je gestellt hat, wie etwa „Wer ist eigentlich der Spitzenkandidat der Nichtwähler in Deutschland?“ Auch Karl-Theodor zu Guttenbergs „umgangssprachlicher Krieg“ wird dabei näher definiert.

Im Bad Hersfelder Publikum machen sich die beiden danach leider erfolglos auf die Suche nach dem neuen Allround-Heilsbringer, dem „deutschen Dalai Lama“.

Bei ihren Gesellschafts-Analysen stellen die beiden wiederholt erstaunliche „Fakten“ fest, etwa dass die Depression der häufigste Arbeitsunfall des 21. Jahrhunderts ist. „Funke & Rüther“ haben auch eine musikalische Ader, dies bewiesen sie beeindruckend mit einem scharfzüngigen Rap über deutsche Lehrer und die Bildungsrepublik Deutschland.

Die Feststellung, dass der „Konsumlustindex“ der Deutschen rückläufig ist, verlangte selbstverständlich auch nach einer sofortigen näheren Betrachtung. Ein weiterer Programmschwerpunkt waren die eigenartigen Fernsehgewohnheiten der Deutschen. Kochshows, Mystery-Serien, permanente Superstar-Castings, Zoo-Dokus und der Musikantenstadl geben hier definitiv Anlass zu großer Sorge.

Eines der letzten Themen des Abends war dann auch noch das Sexualleben der Deutschen. Die Feststellung, dass deutsche Frauen im Schnitt nur noch 1,38 Kinder gebären, gab Anlass zu haarsträubendsten urkomischen Vermutungen.

Spitzensportler als Götter

Ab und zu tauchen die beiden aber auch in philosophische Tiefen hinab und stellen existenzielle Fragen, wie etwa „Was bewegt uns Deutsche heutzutage in der Seele?“

Beim philosophieren über diese Frage kommt ihnen die Erkenntnis, dass die neuen Götter der Deutschen die Spitzensportler sind. Für diese hervorragende Darbietung gab es vom begeisterten Bad Hersfelder Publikum tosenden und langanhaltenden Applaus.

Von Werner Rödiger

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