Europolis 2050: Jugendliche zeigen mit Spielfreude, Humor und Rhythmus das Europa der Zukunft

Was ist deutsch?

Intendant Holk Freytag ging in die Knie, um die persönliche Geschichte einer Teilnehmerin zu erfahren. Fotos: Schmidl

Bad Hersfeld. Vierzig junge Leute stehen am Eingang der Schilde-Halle Spalier und begrüßen jeden einzelnen Besucher in ihrer eigenen Landessprache. Bürgermeister Hartmut H. Boehmer lässt es sich nicht nehmen, alle mit Handschlag zu begrüßen. Die jungen Leute, zwischen 16 und 19 Jahre alt, haben eine Theaterperformance zum Thema „Europa in 40 Jahren“ im Rahmen von Europolis 2050 erarbeitet und diese am Sonntag im Rahmen einer Matinee einem großen Publikum vorgestellt.

Partnertheater aus Helsinki, Nottingham, Zagreb und Tel Aviv – ausnahmslos Mitglieder der European Theatre Convention – sandten jeweils sechs bis neun junge Teilnehmer nach Bad Hersfeld. Aus Deutschland waren vier Auszubildende der Firma K+S Kali GmbH, zwei Auszubildende der Firma B. Braun Melsungen und Schülerinnen der Gesamtschule Obersberg vertreten. Auch vier deutsche Jugendliche, die im Ausland an den Internationalen United World Colleges zur Schule gehen, haben an dem Forum teilgenommen.

Die Wünsche und Träume der Jugendlichen zu den Themen Familie und Identität, Arbeit und Migration standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Erarbeitung in täglich vier bis sechs Stunden Text-, Gruppen-, Körper- und Probenarbeit unter der Leitung von Theaterpädagogen und der Künstlerischen Leiterin Katja Heiser. Und alles auf Englisch. „Das ist ja Wahnsinn, was die in nur zehn Tagen auf die Beine gestellt haben“, sagte eine begeisterte Besucherin, die sich wie viele andere Gäste unter die jungen Leute mischte, um deren persönlichen Geschichten zu lauschen.

Sehr gelungen der Auftritt von den Delegationen aus Deutschland, Kroatien, England, Finnland und Israel. Besser kann man die Grundstimmung der verschiedenen Völker nicht darstellen.

Humor und Sprachgewirr

Als Requisite genügten den jungen Europäern einige Stühle und drei Tische. Mit viel Musik, Spielfreude, Rhythmus, babylonischem Sprachgewirr und Humor thematisierten sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der aufeinander treffenden Kulturen. Was ist typisch deutsch? Wen wundert es, dass sofort das Oktoberfest, Lederhosen und Dirndl genannt wurden. Nicht zu vergessen: Deutschland liegt in der Mitte Europas.

Von den gezeigten Emotionen Angst, Verzweiflung, Liebe, Freude und Hoffnung getragen, bewiesen die vierzig jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass sie die Zukunft ihres Europas mit gestalten können. Als sie zum Abschluss John Lennons „Imagine“ anstimmten, war Gänsehaut inbegriffen. Donnernder, lang anhaltender Applaus und begeisterter Jubel belohnten die tolle Leistung. Europolis 2050 wird von der Firma K+S Kali GmbH als weltweit tätiges Unternehmen unterstützt.

Von Gudrun Schmidl

Kommentare