120 Zuhörer bei Podiumsdiskussion zum Kinderförderungsgesetz in der Stadthalle

„Der Protest muss weitergehen“

Waren sich einig: Petra Nagel, Andreas Übermuth, Manfred Koch, Cornelia Holz, Elke Künholz, Georg Lüdtke, Julia Bröske, Kurt Dörrbeck, Regine Haber-Seyfarth und Holger Grewe. (von links) Foto: Deppe

Bad Hersfeld. Die eindeutigsten Antworten gab es auf die letzte Frage des Abends: „Darf das Hessische Kinderförderungsgesetz dem aktuellen Vorschlag nach verabschiedet werden?“ – „Nein, ganz deutlich!“, „Das reicht so nicht!“, „Auf gar keinen Fall!“

Generell gab es kaum Dissens bei der Podiumsdiskussion in der Bad Hersfelder Stadthalle. Zu einig waren sich die Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Elke Künholz, Cornelia Holz, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte der Johanneskirche, Regine Haber-Seyfarth, Fachreferentin des Verbandes evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder im Diakonischen Werk, die Bürgermeister von Kirchheim und Alheim, Manfred Koch und Georg Lüdtke, Pfarrer Holger Grewe, sowie Andreas Übermuth, Elternvertreter der evangelischen Kindertagesstätte Sankt Georg in Obersuhl.

120 Zuhörer waren gekommen, nicht nur um sich die Kritik an dem Gesetzesentwurf anzuhören, sondern auch um sich die möglichen – sehr komplexen – Änderungen von Experten erklären zu lassen. Zu der Veranstaltung hatten die Liga der Freien Wohlfahrtspflege und die evangelische Stadt- und Johanneskirchengemeinden eingeladen. Die Moderation hatte die freie Journalistin Petra Nagel übernommen, die wichtigsten Bestandteile des Gesetzesentwurfs stellte Julia Bröske, stellvertretende Amtsleiterin der evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck vor.

Dass es in der vergangenen Woche zu ersten Korrekturen an dem Entwurf durch die Landesregierung gekommen war, sei laut Elke Künholz einzig den Erzieherinnen zu verdanken, die auf der Straße dafür demonstriert hätten. „Und dieser Protest muss weitergehen“, sagte sie.

Besonders die Kernprobleme Stichtagregelung und kindbezogene Förderung erhitzte die Gemüter. Durch die geplante Stichtagregelung nehme man den Erzieherinnen die Sicherheit, was sich auf die Qualität der Arbeit auswirken könnte, sagte Holger Grewe. „Befristete Verträge täten mir weh. Auch die Erzieher müssen kalkulieren können, dann würde es auch wieder mehr Bewerber geben“, sagte er.

Weniger intensive Betreuung

Sollte mit Verabschiedung des Gesetzes von einer gruppen- auf eine kindbezogene Förderung umgeschwenkt werden, bestünde die Gefahr, dass jede Kommune versuche am 1. März so viele Kinder wie möglich in den Kitas zu haben, sagte Künholz. Cornelia Holz ergänzte: „Da werden wir für etwas bestraft, wofür lange gekämpft wurde: kleine Gruppen.“

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht erkannte Manfred Koch ganz andere Probleme. Momentan gebe es in der von der Gemeinde Kirchheim getragenen Kita 440 Stunden Arbeitszeit pro Woche. Nach der nun geplanten Förderung wären es rund 80 Stunden weniger pro Woche, was Stellenabbau und damit eine weniger intensive Betreuung für die Kinder bedeuten würde. Zudem müssten nach aktuellem Stand die Beiträge erhöht werden, da im Kirchheimer Haushaltsplan wegen der Schutzschirmauflagen ein Drittel der Kita-Kosten – rund 230 000 Euro jährlich – durch Beiträge gedeckt werden müssen.

Aus Sicht der Eltern fasste Andreas Übermuth zusammen: „Wir müssen uns fragen, was wir wollen. Und das ist, dass es den Kindern gut geht. Wir wollen eine gute Pädagogik, aber nicht unter diesen Umständen.“ HINTERGRUND

Von Lasse Deppe

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