250 Dinge, die wir an der Region mögen (60): Der Unterhauner Kirchberg

Denkmal mit Namenstafel

Die Stätte am Unterhauner Kirchberg dient zur Erinnerung an die Opfer der Weltkriege. Foto: Kraft/nh

Unterhaun. Wer in Unterhaun in Richtung der evangelischen Kirche fährt oder geht, vermutet nicht, dass sich auf dem darüberliegenden Berg auf einem Plateau eine außergewöhnliche Rarität im Landkreis Hersfeld-Rotenburg befindet: Die Ruinenstätte auf dem Unterhauner Kirchberg.

Vorhandene Wegweiser erleichtern den steilen Weg hinauf. Unweigerlich kommt man an dem Kirchbergareal vorbei. Durch das Eingangstor, das links und rechts durch eine Mauer eingegrenzt ist, hat man einen Blick auf vier Grabsteingruppen mit insgesamt 50 Grabsteinen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Auf der Mauer links neben dem Eingang befindet sich das Bruchstück eines Steinkreuzes, was bei Ausgrabungsarbeiten im Jahre 1937 entdeckt wurde.

Das Steinkreuz ist mit einer sogenannten Haue versehen, was als historisches Müllerzeichen zu deuten und nur als den oberen Teil eines Gesamtkreuzes erhalten ist. Das rückseitige Befestigungsloch einer Stütze deutet darauf hin, dass dieses Kreuz, wahrscheinlich am Wegesrand oder am Kreuzbergeingang, für einen gewaltsam umgekommenen Müller aufgestellt wurde. Es soll die Vorübergehenden dazu auffordern, für die Seele des Verstorbenen zu beten. Das Hauptaugenmerk aber richtet sich auf die Kirchenruine der Kreuzkapelle St. Crusis, die sich auf der rechten Seite des Areals erhebt.

Bei den Ausgrabungen im Jahre 1937 wurden Fundamente freigelegt, so dass man sich die Größe und Aussehen des Bauwerkes mit etwas Fantasie vorstellen kann. In der westlichen Kirchenruinenseite, die noch einigermaßen gut erhalten ist, befindet sich der eigentliche Eingang zur Kirche. Oberhalb ist noch ein monolithes – also aus einem Stein gehauenes – Fenster zu sehen, das vermutlich noch aus einem älteren Kapellenbau stammt.

Ein Teil der nördlichen Mauer ist ebenfalls noch vorhanden. Die restlichen Umrisse der Kirchbergkapelle sind nur durch die kleeblattförmig ausgerichteten Grundmauern zu sehen. Die Kreuzkapelle entstand vermutlich im achten, spätestens zehnten Jahrhundert, auf dem Plateau oberhalb vom jetzigen Ort Unterhaun. Der alte Ortskern von Unterhaun unterhalb der Kreuzkirche, vom damaligen Laufbett der Haune bis in den Weihersgrund, ist unter dem Namen Kreuzberg bekannt. Auf dem Plateau hatte man auf der einen Seite einen guten Blick in des Haune- und Eitratal.

Die andere Blickrichtung richtet sich auf die Mündung der Haune in die Fulda. Es wird vermutet das sich hier eine vorchristliche Kult-, Versammlungs- oder Gerichtsstätte befand, auf der als christliches Machtsymbol eine Kirche errichtet wurde. Einige Erklärungen darüber befinden sich im Buch „Im Herzen der Buchonia“ von Victor Sabo, welcher in dem Buch auch auf die Deutung des Namens der Haune und auch auf die Namen Ober- und Unterhaun wichtige Hinweise gibt. Das Kirchbergareal diente bis 1904 als Begräbnisstätte. Bei den Ausgrabungen fand man auch zwei Grabsteine mit Kreuzrelief.

Der eine Grab-Kreuzstein ist auf das 14. oder 15. Jahrhundert zu datieren, der andere – um 1100 errichtet – dürfte zu den Älteste in Hessen zählen. Beide sind im Landesmuseum Kassel untergebracht. Zur Erinnerung dient diese Stätte der Gemeinde Unterhaun auch dem Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Hierzu wurden für die Opfer Denkmäler mit Namenstafel aufgestellt. Ebenso wird dort dem in Brandenburg hinrichteten Widerstandkämpfer Georg Großcurth aus Unterhaun gedacht.

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