Hersfelder Stadtverordnete blamieren sich beim Streit um die Festspiele nach Kräften

Demontage und Mobbing

Bad Hersfeld. Nach Sitzungsunterbrechung und erfolgreicher Deeskalation durch den Ältestenrat trat der Stadtverordnete Hans-Jürgen Schülbe (Unabhängige) ans Mikrofon und mutmaßte selbstkritisch, dass sich die Hersfelder Parlamentarier vor den vielen Zuhörern gerade ziemlich blamiert hätten. Die späte Einsicht Schülbes, der sich am vorausgegangenen Hauen und Stechen um die Festspiele gar nicht beteiligt hatte, vermochte den schlechten Eindruck freilich nicht wieder gutzumachen.

Kündigungsgrund

„Ich bin entsetzt, wie hier mit einem städtischen Bediensteten umgegangen wird. Das ist Mobbing!“, geißelte der SPD-Stadtverordnete Dr. Thomas Handke die beleidigenden Äußerungen von FDP-Fraktionschef Bernd Böhle über Intendant Holk Freytag („Eine Schande für unsere Stadt“).

„Wir leisten wir uns hier die Demontage einer Person, von der das Gelingen der Festspiel-Saison abhängt“, stieß Monika Schmidt von den Grünen ins gleiche Horn.

Die Kritik der Gegenseite am Intendanten richtete sich vor allem gegen dessen Presseerklärung, in der er Bürgermeister Thomas Fehling vorgeworfen hatte, den Festspielen zu schaden. Dies sei ein Kündigungsgrund, wurde mehrfach gesagt.

„Holen wir einen Intendanten, der unsere Ideen umsetzt und mit dem man reden kann“, sagte Armin Leckel (NBL), der Freytag vorwarf, die Stadt „ins finanzielle Desaster“ zu führen.

„Festspiele sind wichtig, aber nicht um jeden Preis“, meinte auch Gunter Grimm, Vorsitzender der CDU-Fraktion und war sich darin einig mit Hans-Jürgen Schülbe, der Sparmaßnahmen auch bei den Festspielen angemahnt hatte.

Bernd Wennemuth, Fraktionschef von SPD, Grünen und FWG, hielt dem entgegen, dass das Defizit dieses Jahres von 344 000 Euro nicht alleine dem Kartenverkauf anzulasten sei, sondern auch nicht erzielten Sponsorengeldern in Höhe von 100 000 Euro. Und dies sei nicht alleine dem Intendanten vorzuwerfen.

Allmachtsfantasien

Die von der NBL per Pressemitteilung verbreitete Feststellung, man käme dank guter Kontakte auch mal ohne einen Intendanten aus, bezeichnete Wennemuth als „Allmachtsfantasien, die die Festspiele an den Rand des Ausfalls bringen“.

Auch bei einem zweiten kulturellen Thema ging es am Donnerstag hoch her. Die NBL hatte – letztlich erfolglos – beantragt, das umstrittene Kunstwerk „Signet des Windes“ von K-L Schmaltz vorläufig nicht aufzustellen und drei neue Standort-Vorschläge zu erarbeiten.

Geballtes Halbwissen

Die Stahlskulptur war ursprünglich als „Kunst am Bau“ für den Verkehrskreisel am neuen Amazon-Logistikzentrum gedacht. Wegen technischer Probleme sollte sie nun vor der Schilde-Halle platziert werden.

Die Diskussion offenbarte geballtes Halbwissen auch bei den Antragstellern, sowohl was die Kosten anging wie auch bei der Standort-Historie, weil der Amazon- mit dem Eichhof-Kreisel verwechselt wurde.

Bürgermeister Fehling beendete die Kostendebatte, indem er Erwerb und Aufbau auf insgesamt – größtenteils bereits bezahlte – 60 000 Euro bezifferte. Er plädierte darüber hinaus nochmals für einen Standort auf der Ostseite des Parks.

Von Karl Schönholtz

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