Schauspiel „Der blaue Engel“ überzeugt das Bad Hersfelder Publikum nur bedingt

Demontage eines Halbgotts

Varieté im „Blauen Engel“ auf allerdurchschnittlichstem Niveau: Die fesche Lola (Stefanie Mendoni) wird flankiert von Artistin Guste (Judith Steinhäuser) und dem Akkordeon spielenden Clown (Jolanta Szczelkun, von links) sowie Ensemblechef Kiepert (Peter Schmidt-Pavloff). Foto: ks

Bad Hersfeld. Der Roman von Heinrich Mann ist ein deutscher Klassiker, die Verfilmung mit Marlene Dietrich legendär und das Schauspiel von Peter Turrini immer wieder gerne genommen: „Der blaue Engel“, die Geschichte von der Selbst-Demontage eines Gymnasiallehrers, der, in eine Revuetänzerin verliebt, vom Tyrannen seiner Schüler zum tragischen Clown mutiert, lockte das Bad Hersfelder Theaterpublikum am Donnerstagabend zahlreich in die Stadthalle.

Mit Gerd Silberbauer in der Rolle des Professors Rath hatte die Produktion des Euro-Studios Landgraf zudem einen TV-erprobten Darsteller zu bieten.

Die Inszenierung von Frank Mathus ist ein Bilderbogen der harten Schnitte, die eine Entwicklung feststellt, aber kaum nachvollziehbar macht. Dazu trägt auch bei, dass Silberbauer Lautstärke mit Emotion verwechselt. So wird aus herrischen Halbgott („Ich werde Sie zerschmettern“) recht unvermittelt der großspurige Lover der feschen Lola („Ich bezahle alles“), der sich das flotte Leben nach dem Verlust von Stelle und Pension aber auch nicht lange leisten kann.

Erst ganz zum Schluss, als er ausgerechnet in seiner Heimatstadt gezwungenermaßen den dummen August spielen muss, vermittelt sein Spiel die erlittene Demütigung.

Gelungen war dagegen die Besetzung der Lola mit Stefanie Medoni. Nicht glanzvoll wie die Filmfigur, sondern höchst durchschnittlich wie von Autor Mann beabsichtigt, gab sie die Talente der Künstlerin Fröhlich zum Besten und verdeutlichte so die Verblendung, der ihr ältlicher Galan zum Opfer gefallen war.

Gelungen auch das Spiel von Hans Machowiak als Schüler Lohmann, in dem der Professor irrtümlicherweise einen Rivalen um die Gunst der Lola sieht. Lohmann bewahrt sich jedoch ausreichend innere Distanz und kann dem Fall des Professors gelassen zusehen.

Peter Schmidt-Pavloff als abgezockter Ensemble-Chef Kiepert, Judith Steinhäuser als dessen mit berlinerischem Charme gesegnete Frau Guste und die skurrile Akkordeonspielerin Jolanta Szczelkun wussten ebenfalls zu gefallen.

Am Ende gab es von den Zuschauern in der Stadthalle anerkennenden, aber keinen begeisterten Applaus.

Von Karl Schönholtz

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