Mozart, Weber und der Chorverein beim Eröffnungskonzert der Theatersaison

Demokratie der Musiker

Applaus für Orchester und Solisten nach der Jubelmesse: Festspiel-Intendant Holk Freytag (links) gibt die Beifallsbekundungen an die Hauptdarsteller des Abends weiter. In vorderster Reihe Dirigent Helgo Hahn, die Bässe Christian Palm und Hubert Schmid, Kaja Plessing (Alt) und Elsbeth Reuter (Sopran) .

Bad Hersfeld. Statt Bühne frei erst einmal Podium frei, denn dort, auf dem Konzertpodium, treten Musiker auf, die nicht in Bühnenrollen schlüpfen.

Doch die Festspielsaison in der Stiftsruine, die schmückt sich fast wie eine richtige Oper mit einer Ouvertüre, sogar einem zweistündigen Konzert. In seiner Grußadresse an das Publikum in der dicht besetzten Stadthalle zitierte Intendant Holk Freytag standesgemäß Shakespeare herbei, den Festspielpatron 2012: „Wenn Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter.“

Der Patron dieses musikalischen Samstagabends hieß Mozart, und der lässt gleichermaßen sinnlich und herzbewegend singen. „Schon lacht der holde Frühling“ KV 580, eine so genannte Konzertarie, die Mozart am 17. September 1789 für seine Schwägerin, die Sopranistin Josepha Hofer, schrieb, wirkt mit ihrer B-Dur-Dreiklangs-Eröffnung wie die passende Fanfare zu einer erfolgreichen Spielzeit. Und wirkt, von Elsbeth Reuter so äußerlich und innerlich bewegt und bewegend vorgetragen, so jubelnd koloraturenfein den Klangraum öffnend und ausschmückend, wie ein Muntermacher, Krampflöser, Seelenbalsam.

Dann schon das Hauptstück der vierteiligen Programmfolge, die „Jupiter-Sinfonie“ C-Dur KV 551, Mozarts letzter und vollkommenster Gattungsbeitrag.

Das Ohrenmerk nun ganz beim Orchester. Erfreulich, wie homogen das Ad-hoc-Team der Frankfurter Sinfoniker diese Wundermusik entfaltet. Da konstituiert sich - über 35 Minuten hin mit fast allen Wiederholungen - eine echt demokratische Gemeinschaft der Musizierenden, die ihre Erfahrungen von Liebe und Leid untereinander weitergeben. Ja, von Liebe und Leid, sagen Kenner doch immer wieder, auch Mozarts Instrumentalmusik sei vom Geist des Theaters durchdrungen, wecke Bilder, Szenen in der Vorstellung des Hörers. Hier, von den 1. Violinen bis hin zur Pauke, vielleicht das Bild eines ständigen Gebens und Nehmens unter Gleichberechtigten - wo unter uns doch meist so egoistisch geliebt und gelitten wird. Diese Musiker lassen die Themen und Motive wandern, sich unmerklich wandeln, lassen es durch Harmonien und Tonarten modulieren, wie eben nur bei Mozart möglich.

Jugendliches Intermezzo

Nach der Konzertpause der Auftritt des Chores, des Chorvereins Bad Hersfeld, und statt später Werke ein jugendliches - das Te Deum C-Dur KV 141, eine Salzburger Komposition der 13-Jährigen. Ihr, wie auch der abschließenden Messe G-Dur op. 76 des Dresdner Musikdirektors Carl Maria von Weber, ist die liturgische Funktion durchaus anzumerken. Jeder der knappen, syllabisch und homophon formulierten Sätze (auf jede Sprechsilbe ein gesungener Ton und alle Singstimmen im Gleichschritt) musste sich damals eben nahtlos in den Gottesdienstablauf einfügen.

Der Chorverein ließ sich in dieser „Jubelmesse“ die Chance nicht entgehen, standesgemäß aus 60 Kehlen zu jubeln - doch nicht platt und lauthals, sondern auch er einmütig demokratisch, in den kurzen fugierten Abschnitten plastisch, deutlich, in sauberer Klangbalance.

Von Siegfried Weyh

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