Delegation aus Bad Hersfeld besucht die englische Heimat von Stiftsgründer Lullus

Beflügelt von Malmesbury

Regen gehört in England dazu: Das Market-Cross von Malmesbury bot beim Stadtrundgang mit dem Historiker Charles Vernon (rechts) etwas Schutz.

MALMESBURY. Als sich Mönch Eilmer vor rund 1000 Jahren mit selbstgebauten Flügeln vom Dach der Malmesbury- Abbey stürzte und sich bei seinem Flugversuch beide Beine brach, ahnte er wohl nicht, dass im Jahr 2012 ein Bier nach dem „Flying Monk“ benannt werden würde. Und er konnte auch nicht wissen, dass eben jenes Bier eines Tages die Freundschaft zwischen Malmesbury und dem von seinem Mönchsbruder Lullus gegründeten Hersfeld „beflügeln“ würde.

Das süffige Ale, das in der Nähe von Malmesbury gebraut wird und in den urigen Pubs der Kleinstadt aus jedem Zapfhahn fließt, spülte etwaige Sprachbarrieren einfach weg. Der Besuch der Brauerei – mit reichhaltiger Verkostung des Flying-Monk-Beer – war nur einer der Höhepunkte des Besuchs einer 14-köpfigen Delegation aus Bad Hersfeld in Malmesbury. Bei einem Stadtrundgang mit dem Heimat- Historiker Charles Vernon, der im typisch englischen Regen stattfand, erfuhren die deutschen Besucher, noch mehr über die Geschichte(n) von Malmesbury. Vernon berichtete von den Kämpfen gegen brandschatzende Wikinger-Horden. Er sprach von erfolgreichen Feldzügen an der Seite des ersten englischen Königs Athelstan, der die wackeren Bürger von Malmesbury mit weitreichenden Bürger- und Landrechten belohnte. Und er erzählte die traurige Story von der Kellnerin Hannah Twynnoy, die als einzige Engländerin auf den britischen Inseln von einem Zirkus-Tiger gefressen wurde.

Voller Geschichte(n)

Malmesbury, diese sympathische Stadt, ist reich an solchen zuweilen skurrilen Geschichten. Doch eine war für die Engländer neu: Erst durch Besucher aus Hersfeld haben die Bürger von Malmesbury erfahren, dass es ein Mönch aus ihrer Stadt war, der das Stift und somit auch die Stadt Hersfeld gründete. Das Interesse an dieser historischen Verbindung beider Städte ist groß. Rund 30 Zuhörer hatten sich daher bei einem Informationsabend der Hersfelder Delegation eingefunden, um mehr über die deutsche Stadt zu erfahren. Auch viele spontane Gespräche auf den Straßen oder an den Theken der Stadt zeigten, dass die Engländern gern mehr Kontakt nach Bad Hersfeld hätten. Ziel der als „Scouting-Mission“ geplanten England-Fahrt des Bad Hersfelder Vereins „Friends of Malmesbury“ war es, die Kontakte zu der Stadt auf ein breiteres Fundament zu stellen. Das ist gelungen. Besuche in den örtlichen Schulen und der Verwaltung sorgten für neue Anknüpfungspunkte für weitere Aktivitäten. Ein Gegenbesuch der englischen Freunde ist zum Lullusfest geplant. Erstmals wollen dann auch Sportler aus Malmesbury beim Lollslauf starten. Und wer weiß: Vielleicht verleiht ja auch ihnen dabei der „Flying Monk“ Flügel.

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